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Vertrautes Terrain. | Kunst in/über Deutschland im ZKM Karlsruhe im SWO | Kunstportal Baden-Württemb

ZKM Karlsruhe im Kunstportal Baden-Württemberg_Interconnect

www.zkm.de

Das ZKM Karlsruhe im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg

22.05.- (verlängert) bis 12.10.2008

Vertrautes Terrain. | Kunst in/über Deutschland

ZKM | Museum für Neue Kunst
Eröffnung: 21.05.2008 im ZKM_Foyer

Deutsche Kunst" oder "Kunst aus Deutschland" ist ein Etikett mit Ausstellungstradition, das Fiktion ist. Denn mit der Realität künstlerischer Praxis hat nationale Festschreibung meist wenig zu tun. Dennoch stellen länderspezifische Fragen auf der Suche nach Geschichte, Genealogien oder Tendenzen eine Konstante in der Kunstgeschichte und im Kunstbetrieb dar, und die Überblicksausstellung ist ihr gängiges Format. In diesem Zusammenhang werden auch Lebens- und Arbeitsorte als Koordinaten in Künstlerbiografien entsprechend gewichtet, da sie einer ersten Bestimmung der Position im System des Kunstbetriebs dienen. Oft werden sie dabei auch mit vermeintlich nationalen oder lokalen Qualitäten verknüpft, die sich in künstlerischer Produktion widerspiegeln sollen. Mittels kulturpolitischer oder kuratorischer Rhetorik - häufig vom Kunstmarkt unterstützt - wird so versucht, via Herkunftsbefund nationale Repräsentation abzuleiten. Besonders sichtbar wurde das im prominenten englischen Fall der "Young British Art", wo eine Bewegung erfolgreich konstruiert und vermarktet wurde. Ähnliche Ansätze und Erfolge von "Kunst aus Russland" (SOZART) oder "Kunst aus China" (1990er Jahre) zeigen, dass es sich dabei um ein immer wiederkehrendes Phänomen handelt.


Von der legendären Ausstellung Von hier aus - Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf im Jahre 1984 bis zu Made in Germany 2007 in Hannover haben zahlreiche Präsentationen die Frage nach der Herkunft und dem Produktionsstandort Deutschland behandelt, allerdings fand eine thematisch-kulturelle Auseinandersetzung bislang nur indirekt statt, denn aufgrund unserer Geschichte wird jegliche inhaltliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Land als heikel und problematisch angesehen. Jedoch gerade die Analyse und Beschäftigung mit dem scheinbar vertrauten wie auch fremden Terrain Deutschland ist in einer Situation selbstverständlicher, länderübergreifender Kommunikation und von Auflösungstendenzen bedrohter, nationalstaatlicher Entscheidungsmacht in Europa besonders interessant und wichtig. Denn einerseits beobachten wir den Anspruch, dass sich nationale Unterschiede zu nivellieren scheinen, andererseits wird lokalen Kulissen und Besonderheiten wie der eigenständigen Sprache eine neue Bedeutung zugesprochen.

Vor diesem Hintergrund versteht sich das Projekt Vertrautes Terrain deshalb als Resonanzraum für die differenzierte Auseinandersetzung mit Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die Deutschland auf sehr unterschiedliche Weise als Geschichts-, Kunst- und Sozialraum reflektieren. Die Konzentration auf die Situation in Deutschland gilt der Erkundung einer "imaginären Kartografie", die inhaltliche und formale Anliegen, Symptome und Virulenzen in der Kunst vor dem Hintergrund ihrer gesellschaftpolitischen oder sozio-kulturellen Gegenwart aufspüren möchte. Eine geografische Kartierung Deutschlands nach aktuellen Kunstzonen und -zentren, wie z.B. das als Marketinglabel funktionierende Etikett "Leipziger Schule" oder der anhaltende Berlin-Sog, spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

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