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Das ZKM Karlsruhe im Kunstportal Baden-Württemberg
Das Museum der zeitbasierten Künste Musik und Museum – Film und Museum
Eröffnung am Freitag, dem 08. September 2006, um 19 Uhr im ZKM_FoyerPeter Weibel: Das Museum der zeitbasierten Künste
Darf zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Museum die vielleicht wichtigste Innovation der Kunst des 20. Jahrhunderts, das bewegte Bild, auch ständig zeigen? Darf ein Museum den Wechsel von den raumbasierten zu den zeitbasierten Künsten auch nachvollziehen? Darf ein Museum anders als der Markt handeln?
Das Museum als Ort für die Künste des Raumes Wenn die klassische Ästhetik vom Bild spricht, meint sie das Gemälde. Wegen seiner Zweidimensionalität und seiner Bewegungslosigkeit ist das Bild als Gebilde des Raumes definiert worden. Lessings Definition in »Laokoon« (1776) lautete daher: »Es bleibt dabei: die Zeitfolge ist das Gebiet des Dichters, so wie der Raum das Gebiet des Malers« (18. Kapitel).
In dem Augenblick, als das Bild anfing, sich zu bewegen, wie im Film, dessen Bilder daher die »laufenden« Bilder genannt wurden, oder in dem Augenblick, als die Bilder aus beweglichen Teilen bestanden, wie in der Kinetik, ist das Bild aus dem Gebiet des Raumes migriert. Das Bewegungsproblem hat in die bildende Kunst das Zeitproblem eingeführt. Sprache und Musik waren immer Künste zeitlich aufeinander folgender Momente (Sequenzen von Buchstaben oder Tönen). Sprache und Musik waren daher immer zeitbasiert. Mit Film, TV, Video und digitaler Kunst ist das Bild in das Gebiet der Poesie und Musik eingetreten. Die bewegten Bilder des Films oder von Video sind der Musik genauso nahe wie der Malerei. Die klassische Ästhetik war allerdings aufgrund der jahrhundertelangen Hegemonie der Malerei so wirksam, dass die Museen der modernen Kunst sich noch im 20. Jahrhundert den eigentlichen Errungenschaften der Kunst des 20. Jahrhunderts verschlossen, nämlich der Bewegungs- und Zeitproblematik. Die Museen blieben lange Zeit die Orte für die Kunst des Raumes, nämlich Malerei, Skulptur, Fotografie. Die Museen wurden keine Orte für die Kunst der Zeit, Sprache und Musik, Film, Video etc. Die fortschrittlichsten Museen des Westens haben zwar eigene Filmabteilungen, aber die Filme werden außerhalb und nicht als Teil der ständigen Sammlung gezeigt. Das Centre Pompidou in Paris hat Kontakte zum Musikinstitut IRCAM, aber die Musik ist nur gelegentlich Teil des Ausstellungsprogramms. Das ZKM hat ein Filminstitut und ein Institut für Musik und Akustik als Abteilungen und will nun die Arbeitsfelder dieser Institute in die ständige Sammlung integrieren. Das ZKM ist dafür prädestiniert, da es schon seit seiner Gründung unter dem Titel »Meisterwerke der Medienkunst« die Kunst der bewegten Bilder und damit die Kunst der Zeit zeigt. Es möchte nun einen Schritt weiter gehen, sich als Museum vollkommen der Kunst der Zeit öffnen und in der ständigen Sammlungsausstellung auch die Werke des Films und der Musik präsentieren.
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