| Eine Ausstellung im Projektraum des ZKM | Museum für Neue Kunst Ausstellungseröffnung Fr 16.07.04, 19 Uhr Jeder kennt ihn – den Apokalyptiker, den Abtrünnigen, den Melancholiker – Jean Baudrillard, französischer Denker, der sich ungern in allgemeine Charakterisierungen wie Soziologe oder Philosoph fügt. “Ich komme nicht von einer ´Disziplin´ her. Ich sage das nicht, um mich als Amateur oder Dilettant aufzuspielen, es fehlt mir schlicht an der nötigen Konstanz, um mich einer Disziplin zu unterwerfen. Ich hatte nie den Mut, die Semiotik gründlich zu studieren, mich systematisch mit der Psychoanalyse zu befassen. Ich beschäftige mich damit, aber auf eine frivole Art und Weise”, erklärte er im Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 1989. Die in Zusammenhang mit seinem Namen geläufigste Vokabel ist wohl das Simulacrum geworden, ein Wort, das der Merve Verlag in Berlin nie versäumte, in einem vorangestellten Glossar zu erklären. Am 29.Juli 1929 im französischen Reims geboren begeht Jean Baudrillard in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag. Er studierte unter anderem Germanistik und fertigte Übersetzungen von Werken Bertolt Brechts und Peter Weiss´. Von 1968 an lehrte er viele Jahre an der Universität Paris-Nanterre das Fach Soziologie. Sein erstes Buch erschien just in diesem bewegten Jahr: Le Système des Objects, Paris. Unter dem Titel Das Ding und das Ich erschien die deutsch Übersetzung sechs Jahre später. Es schlossen sich Texte an, die heute Legende sind wie:
Kool Killer oder der Aufstand der Zeichen, Merve Verlag, Berlin 1978 Agonie des Realen, Merve Verlag, Berlin 1978 Der symbolische Tausch und der Tod, München : Matthes und Seitz, 1982 Die fatalen Strategien, Matthes und Seitz, München 1991 Transparenz des Bösen, Merve Verlag, Berlin 1992 Amerika, Matthes und Seitz, München 1995 Das perfekte Verbrechen, Matthes und Seitz, München, 1996 Der unmögliche Tausch, Merve Verlag, Berlin 2000. Das System der Dinge, Campus Verlag, Frankfurt/Main 2001, 2. Auflage Der Geist des Terrorismus, Passagen Verlag, Wien 2002.
Jean Baudrillard widersetzte sich stets der einfachen Wahrheit, so wenn er schreibt: “Die Mediatisierung löscht jeden Hinweis auf Referenz und Wahrheit aus. Deswegen erfasst die Ununterscheidbarkeit des Wahren und des Falschen alle Bereiche: den ästhetischen des Kunstwerks, den historischen des Ereignisses und des Gedächtnisses, den politischen der Handlungen und der Meinung und selbst den wissenschaftlichen Bereich des Experiments und des Beweises.” Ideologien, Dogmen, Denkverboten sind Baudrillard fremd. Anlässlich der Verleihung des Siemens Medienpreis 1995 im Zentrum für Kunst und Medientechnologie präzisierte er im Hinblick auf die Kunst: “In der modernen Kunst beispielsweise stützt sich alles, da ästhetische Kriterien fehlen, auf die Authentizität, auf die Signatur der Werke, die an die Stelle des echten Wertes tritt.”
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