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Viola Eigenbrodt im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg über das Erbe des Winterkoenigs

www.viola-eigenbrodt.de

Das Erbe des Winterkönigs oder wann eine Rekonstruktion wirklich sinnvoll ist.

Für ihren Winterkönig, Kurfürst Friedrich V, hatten und haben die Heidelberger eigentlich nicht viel übrig, und das, obwohl vor wenigen Jahren eine äußerst empfehlenswerte Monografie über ihn erschien, die mit manchem Vorurteil aufräumte und die erste historisch kompetente Aufarbeitung darstellt.( Peter Bilhöfer, Gegen Ehre und Gewissen, 2005).

Aller Häme zum Trotz hat die Stadt ihm ihren Schlossgarten, den ehemaligen "Hortus Palatinus" zu verdanken, in dem nicht nur Touristen gerne wandeln. Als eine der wenigen grünen Oasen, wenn man einmal von dem großen Stadtwald um den Königstuhl absieht, füllt er den Platz eines fehlenden Stadtparks und bietet zudem noch eine grandiose Aussicht auf Neckar und Altstadt. An Sommerabenden wird er gerne für romantische Picknicks genutzt und hat außerdem noch einen weiteren Vorteil: er kostet keinen Eintritt wie die meisten Schloßgärten. Denn er sieht auch nicht mehr aus wie einst von Friedrich vorgesehen, und genau darin liegt des Pudels Kern, um den in Heidelberg im Spätsommer 2007 hitzigst gestritten wurde.

Unternehmer Hans-Joachim Wessendorf hatte im vergangenen September eine komplette Rekonstruktion des einstigen Renaissancegartens vorgeschlagen, nach altem Bild-und Quellenmaterial.

Der Park wurde von dem jungen Kurfürsten als Zeichen seiner Liebe zu seiner Frau, der englischen Prinzessin Elisabeth Stuart, in Auftrag gegeben. Den Bau eines terrassierten Gartens sollte der französischen Gartenarchitekt und Ingenieur Salomon de Caus durchführen, zu seiner Zeit eine absolute Kapazität. Er begann mit den Vorarbeiten im Jahre1616, dann unterbrach der 1618 beginnende Bauernkrieg, die erste und bisher einzige deutsche Revolution, die ambitionierten Pläne des Pfälzer Oberhaupts. Ein Jahr später wurde Friedrich zum König von Böhmen gewählt, ein Amt, das er für einen Winter innehatte, bevor er nach Holland flüchtete, wo er bis zu seinem Lebensende ein angenehmes Leben führte. Das Intermezzo in Böhmen verhalf ihm zu seinem, von den Heidelberger mit Spottversen verbreiteten Beinamen, Winterkönig. Mit dem Umzug nach Prag wurde der Bau des für damalige Verhältnisse einmaligen Gartens eingestellt.

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