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Was die Gebrüder Grimm mit Weinheim zu tun habenAuf den ersten Blick eigentlich gar nichts, wenn es da nicht einen Albert Ludwig Grimm gegeben hätte, der im neunzehnten Jahrhundert dort lebte. Und er ist “nur” ein Namensvetter der Kasselaner, obwohl auch er als Direktor der höheren Bürgerschule in Weinheim, Fabeln und Märchen sammelte und bearbeitete, die er schon vier Jahre vor den Kinder-und Hausmärchen der Gebrüder Grimm herausgab. Darunter befanden sich auch Texte mit Bearbeitungen von Stoffen der indisch-orientalischen Tradition. Sie waren wegen ihrer reichen Ausstattung an Illustrationen sehr beliebt, wurden mehrfach aufgelegt und sogar ins Englische übersetzt. Während seiner Heidelberger Studienzeit kam mit der romantischen Bewegung in Kontakt und lieferte Beiträge für “ Des Knaben Wunderhorn”. Außerdem veröffentlichte er Reisebeschreibungen über die Bergstrasse und den Odenwald, die heute von großer Bedeutung sind. Und so passt die Wanderausstellung recht gut in das Museum der Stadt Weinheim, das wunderschöne dreihundert Jahre alte Haus ist alleine für sich schon ein kleines Schmuckstück. Das Gebäude wurde 1710 durch den Deutschen Orden errichtet. Ihr Kommendenhaus, Kapelle und Wirtschaftsgebäude bildeten dabei eine geschlossene Hofanlage, die wirklich sehenswert ist. “Scheherazade erzählt” ist ursprünglich vom Kasseler Brüder-Grimm-Museum konzipiert und wanderte für die Sommermonate nach Weinheim hinter die kühlen Mauern am Amtshausplatz. Die Ausstellung besteht aus Handschriften, Erstdrucken, Bildern und plastischen Objekten die Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte der berühmten Dichtungen belegen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Erzählungen der „1001 Nacht”. Die wunderbaren Geschichten Scheherazade gelten als das populärste literarische Werk des Orients und werden oft mit den Märchen der Brüder Grimm in einem Atemzug genannt. Kein anderes Buch der arabischen Literatur, außer dem Koran, wurde in so viele Sprachen übersetzt wie diese exotische Mischung von Märchen, Legenden, Novellen, Anekdoten, Fabeln und anderen Geschichten, darunter so bekannte Stoffe wie „Sindbad der Seefahrer”, „Ali Baba und die vierzig Räuber” oder „Aladdin und die Wunderlampe”. Ebenso alt wie das Kommendenhaus ist die erste Übersetzung der arabischen Märchensammlung, sie erschien 1704 in Paris und läutete eine Periode der intensiven Auseinandersetzung mit dem Orient ein, die natürlich selten auf der Realität beruhte und häufig romatisch verklärt wurde, man denke nur an den Begriff des Harems und was die Kunst aus einem grausamen Gefängnis für versklavte Frauen machte. Aber der sagenhafte Reichtum der Kalifen, ihre üppigen Paläste und seit der Antike verklärte Pracht der persischen Höfe passten ausgezeichnet zu den Bilderwelten und Sinnesfreuden des europäischen Barock. Was bleibt sind die zum Teil rauschhaft inszenierten Träume, die ganz unglaublichen Abenteuer, eine bunte Magie aus einer für den Mitteleuropäer gleichsam faszinierend wie fremdartigen Welt, die bis heute anhält. Vor wenigen Jahren erst gab es einen animierten Zeichentrickfilm mit Namen “Sinbad”, (sic) der gleich mehrere der Geschichten und ein bisschen griechische Mythologie in sich vereinte. Die kleine Ausstellung lohnt auf jeden Fall, denn sie transportiert genau das mit den reichen Zeichnungen alter Zeiten, die Faszination über eine Welt, die gleichzeitig anzieht und schaudern läßt, echte Märchen eben.
bis 30. September, Museum der Stadt Weinheim, Di - Sa, 14-17 Uhr, So 10-17 Uhr.
Viola Eigenbrodt
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