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Eine Spur in die Urzeit – Japans Vor- und Frühgeschichte in MannheimÜber fünf Jahre haben sie gebraucht, die Wissenschaftler der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim zusammen mit ihren japanischen Kollegen. Auf drei Flugzeugladungen und eine Schiffsladung hatte man die wertvollen Stücke verteilt, um auf Nummer sicher zu gehen. Denn eine solche Schau hat es weltweit noch nie gegeben, nicht einmal in ihrem Heimatland. Erst zum Schluß, nachdem der Berliner Gropiusbau die Objekte gezeigt hat, wird die Ausstellung in Japan das Interesse der Japaner befriedigen, das, um den Kurator Werner Steinhaus zu zitieren, „in den letzen Jahren enorm gewachsen ist.“ Der Run auf die Frankenausstellung vor sechs Jahren hatte den Anstoß gegeben, in dieser Dimension international weiter zu arbeiten. Zu sehen ist eine Schau, wie sie sicher so schnell nicht wieder bestaunt werden kann, die Entdeckungen der japanischen Archäologe der letzen vierzig Jahre liegen in Mannheim unter dem Glas der Vitrinen. „Zeit der Morgenröte“ wird der Abriß der japanischen Kulturgeschichte von den Anfängen bis zu den ersten Kaisern genannt. Ein aufwendiger Katalog mit eigens für ihn produzierten Abbildungen enttäuscht neben der sehenswerten Ausstellung. Schön gestaltet, aber deutlich viel zu wissenschaftlich für den interessierten Laien bleiben die Begleittexte, die eigentlich nur vom Fachpublikum richtig verstanden werden können.
Um so liebevoller detailreich der Gang durch die auf 2000 Quadratmetern ausgestellten 1500 archäologischen Exponate. Namhafte Museen und Forschungsanstalten haben sie zur Verfügung gestellt, um die Entwicklung der japanischen Inselwelt von den ersten menschlichen Besiedlungsspuren vor 40.000 Jahren bis hin zur Ausbreitung des Buddhismus im 6. nachchristlichen und den Kaisern im 7./ 8 Jahrhundert mit ihren großartigen Palastanlagen. Dargestellt werden Umbruch und Kontinuität in der kulturellen Entwicklung der Inseln, Einflüsse des chinesischen Festlandes zeigt besonders die Keramik. Prähistorische Steinwerkzeuge, Holzobjekte, Waffen, Rüstungen und Inventare ganzer Gräber, die gelegentlich einfach aus einer riesigen Vase bestanden, versuchen die frühe Geschichte zu erklären, bevor Nippon entstand. Die japanische Archäologie zählt zu den modernsten weltweit und somit gibt die Schau auch einem Einblick in das aktuelle Inselreich mit seinen Interessen an technischem Fortschritt einerseits, und einer unmittelbaren Auseinandersetzung mit der Tradition andererseits. Ein Stück ferner Osten, diesmal keine meditativen Holzschnitte oder Wandbilder, sondern eine Reise in die Vergangenheit, die selbst die direkten Nachfahren in großes Erstaunen versetzen wird.
Zeit der Morgenröte, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim. D5, bis 24. Oktober 2004
Viola Eigenbrodt
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