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Zum Hundertsten von Otto Friedrich Bollnow

Marcel Remme (mail:jm_remme@yahoo.de)

Die Rätsel des Lebens verstehen
Otto Friedrich Bollnow zum 100. Geburtstag

Eine ganze Generation von Lehrern und Wissenschaftlern hat bei dem Tübinger Professor für Philosophie und Pädagogik Otto Friedrich Bollnow studiert. Viele seiner damaligen Schüler haben bzw. hatten selbst philosophische oder pädagogische Lehrstühle inne. Auch wer in den 50er und 60er Jahren nicht bei Bollnow in Tübingen sein Studium aufnahm, findet den einen oder anderen „Bollnow“ in seinem Bücherregal.
Der am 14. 3. 1903 in Stettin geborene, am 7.2.1991 in Tübingen gestorbene Philosoph und Pädagoge gehört zu den Wissenschaftlern, die im Ausland mehr Anerkennung erfahren haben als im eigenen Lande. In Japan und Südkorea wird Bollnow als Hauptvertreter deutscher Philosophie und Pädagogik des 20. Jahrhunderts gewürdigt. In Deutschland dagegen haften dem Denker vielfach noch immer die Etiketten des „Tugend-Bollnow“, „Eigentlichkeits“-Philosophen oder auch Philosophen der „heilen Welt“ an. Schon ein Blick in sein umfangreiches Oeuvre – es umfaßt fast 40 Bücher und 500 Aufsätze – zeigt die Unhaltbarkeit dieser Urteile. Dort begegnet uns ein Philosoph, der nicht nur über die seltene Gabe verfügte, seine Gedanken in sehr verständlicher Sprache darstellen zu können, sondern sich auch durch die Weite des Denkens auszeichnete.

Bollnows philosophische Interessen lagen auf der Anthropologie, Ethik, Theorie der Geisteswissenschaften und Ästhetik. Seine pädagogischen Interessen richteten sich vornehmlich auf die Anthropologie sowie auf die Theorie und Geschichte der Pädagogik. Als sein genuines Interessensgebiet betrachtete Bollnow den Schnittbereich von Philosophie und Pädagogik. Beide Wissenschaften bildeten für ihn eine „untrennbare Einheit“: „Jede philosophisch-anthropologische Erkenntnis ... ist als solche schon pädagogisch bedeutsam.“ Auch wenn sie dem Erzieher keine bestimmten Rezepte an die Hand gibt, erweitert sie „das Verständnis für die conditio humana, die Gesamtverfassung des menschlichen Daseins, in deren Rahmen die Erziehung geschieht – oder geschehen sollte.“
Sein wissenschaftlicher Werdegang sollte den Philosophen und Pädagogen zunächst aber in eine ganz andere Richtung führen. Der als Kind einer Lehrerfamilie aufgewachsene Bollnow – sein Vater war Volksschulrektor, seine Mutter Lehrerin, sein Großvater Dorfschullehrer – ging nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium von Anklam zum Studium nach Berlin, wo er nach einem Semester Architektur an der Technischen Hochschule in Charlottenburg zu den Fächern Mathematik und Physik wechselte. Die Inflation 1923 zwang ihn das Studium nach Greifswald zu verlagern, welches er in Göttingen 1925 mit einer Promotion in theoretischer Physik bei Max Born, dem späteren Nobelpreisträger, abschloß. Entscheidende Impulse für seine weitere wissenschaftliche Ausrichtung, insbesondere die lebensphilosophische Orientierung, verdankte Bollnow nach eigenen Angaben seiner Zugehörigkeit zu der aus ehemaligen Mitgliedern des Wandervogels bestehenden Akademischen Gemeinschaft „Skuld“.

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