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SWO Online-Ausstellungen
Karin Kieltsch EnBW Karlsruhe 06. März bis 03. Mai 2002 Online-Preview
Manfred Schmalriede: Vor-Bilder – BILDER – BilderKarin Kieltsch hat eine besondere Vorliebe für geometrische Muster. Sie erlebt sie vor allem im Architektonischen, das sie über ihre Fotografien mit ihren Vorstellungen in Einklang zu bringen versucht. Wie in einem Rückkopplungsprozess schafft sie sich mit ihren Fotos Vor-Bilder für neue Bilder. Dabei geht es ihr auch um den Unterschied zwischen der komplexen Welt vielschichtiger Funktionen und dem, was sie mit ihren Fotografien, die sich immer auf äußere Erscheinungen beziehen, transformieren kann. Nüchtern wirkende Konstruktionen werden auf diese Weise über geometrische Konstrukte, mit differenzierenden Farben und leichten Unschärfen in höchst poetische Bilder verwandelt. In Umkehrung des Fotografierens projiziert sie ihre Muster auf Konstruktionen, die ihr über die fotografischen Mittel ermöglichen, die Muster zu konkretisieren oder gar magisch in Bildern zu bannen.
Das Grün der großen Blätter eines Philodendrons verschwindet, wenn sie im Gegenlicht nur als Silhouetten erscheinen und jetzt die Zwischen- oder Leerräume als Formen sichtbar werden.
Karin Kieltsch beschreibt ihre Umgebung nach Kriterien, die sie ausschließlich als bildnerische Konzepte formuliert, so daß sie immer dann zur Kamera greift, wenn sie Dinge oder Räume als potenzielle Bilder erfährt. In den Bildern lassen sich dann unterschiedliche Schichten ästhetischer Muster entdecken. Unterschiedlichste Konstellationen von Farben und Formen wechseln mit gegenständlich identifizierbaren Figurationen, die sich in Unschärfen aufzulösen scheinen und dabei atmosphärische Räume erzeugen. Das feinmaschige Raster eines Vorhangs lenkt die Aufmerksamkeit auf seine Stofflichkeit, die durch das dahinter aufscheinende Licht mal opak, mal transparent erscheint. Es könnte auch Malerei mit feinsten Farbtonwerten sein, die sich quer zu den senkrecht fallenden Falten ausbreiten und die Bildebene oszillieren lassen.
Teile von Maschinen wirken, fotografisch isoliert, skulpturhaft, sofern sie nicht in ihrer eigentlichen Funktion identifizierbar sind. Wenn nicht von einem Spezialisten erkannt, driften sie, durch die fragmentierende fotografische Sehweise verfremdet, in einen künstlerischen Kontext, einem Feld für Bedeutungen, wie sie der Alltag nicht produziert. Das Unbekannte fasziniert, weil es an etwas erinnert, das irgendwie vertraut zu sein scheint, ohne tatsächlich eine Erklärung zu bieten. Es bleibt etwas offen, das Bedeutung zuläßt, ohne diese festzulegen. Mehrdeutigkeit, die die Art und Weise zu bedeuten impliziert, aber sie gleichzeitig irritierend überspielt. Eine solche Möglichkeit des Bildermachens kalkuliert im Hinblick auf die ästhetischen Muster Risiken ein, da wir nie sicher sein können, ob unsere Muster sich als plausibel oder brauchbar erweisen. Denn über ästhetische Muster entwerfen wir mögliche Beziehungen zu Phänomenen der Außenwelt, ohne uns auf symbolische Konzepte oder konventionelle Bedeutungen zu verlassen. Wichtiger jedoch als die Risiken sind die Entwürfe, die gerade dem einzelnen Bildermacher die Möglichkeit bieten, in die Unübersichtlichkeit hinein organisierend einzugreifen, wobei das Fotografieren die wechselseitige Bedingtheit von „etwas wahrnehmen“ auf verschiedensten Ebenen realisieren kann.
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