| »Wir lehnten die einschmeichelnde oder salonhafte, noch immer dem Akademismus verhaftete Geschmacksrichtung ab, die zweifellos bei den anderen noch vorhanden war, die in jener Zeit malten. Das war eine sehr gepflegte Malerei, aber das Gepflegte war nicht unser Ziel«, so Erich Heckel. Er war der Mitbegründer der legendären Künstlerbewegung ‚Brücke’ (1905 bis 1913) und gilt als deren Organisator und treibende Kraft – eine eher stille Kraft im Hintergrund. Den ‚Brücke’-Künstlern (Fritz Bleyl, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller und kurze Zeit Max Pechstein) ging es um eine expressive Darstellung von Natur und Mensch, »das geschieht natürlich nicht in langsamer und bedachtsamer Art, sondern rasch und zupackend.« So betitelte Erich Heckel diese Arbeiten als “Bildaquarelle“ und schuf diese als Studien für seine später gefertigten Öl-Bilder. Es war ihm unentbehrliches Ausdrucksmittel, diente oftmals der Stilfindung, bot aber ebenso die Möglichkeit des raschen Festhaltens des gerade Gesehenen oder des optischen Eindrucks schlechthin. Zum ersten Mal wird dieses Konvolut, das seine Frau Siddi Heckel 1970 dem Brücke Museum Berlin schenkte, komplett gezeigt. Die Werke sind zwischen 1909 und 1967 entstanden und spiegeln die gesamte Spannweite des künstlerischen Schaffens von Erich Heckel wider: von den expressionistischen Bildfindungen der ‚Brücke’-Zeit mit Studien an den Moritzburger Teichen, den Zirkus- und Kabarett-Motiven der 1920er Jahre oder den farbenleuchtenden Stillleben bis zu den Stadt-, Meer- und Berglandschaften der späteren Schaffensjahre. Zu allen 121 Aquarellen gibt es eine Gemäldefassung, die in dem begleitenden Katalogbuch gezeigt wird.
Bei den Vorbereitungen zur Ausstellung drängten sich immer mehr Fragen zur Person Erich Heckels auf. Wer war er, was trieb ihn an, wie sah seine persönliche Lebenswelt aus? Fragen, dessen Antworten beispielsweise bei seinem Künstlerkollegen Ernst-Ludwig Kirchner durch Tagebücher weitestgehend bekannt sind, bei Erich Heckel jedoch nie veröffentlicht wurden. Man weiß, dass er gerne verreiste, die Berge liebte und anscheinend Ausstellungseröffnungen wenig mochte. Um mehr über den Menschen Erich Heckel zu erfahren, entstand der Kontakt zum Nachlassverwalter, Hans Geissler, der im Hause Heckels in Hemmenhofen am Bodensee lebt. Vom ihm erhielt die Städtische Galerie Villingen-Schwenningen seltene Bild- und Tondokumente von und über Erich Heckel, die in der Ausstellung zu sehen und zu hören sein werden sowie Briefe und selbstgemalte Postkarten. Gezeigt wird auch erstmals die Totenmaske Heckels, die der Künstlerkollege Roland Martin aus Tuttlingen gefertigt hat. Wer der Künstler und Mensch Erich Heckel war, wie aus einer Freundschaft eine ganze Künstlerbewegung wurde, wie die künstlerische Laufbahn nach Auflösen der ‚Brücke’ weiter verlief und was seine Professorenjahre in Karlsruhe und sein ‚Exil’ am Bodensee für ihn bedeuteten - das soll in dieser Ausstellung erstmals in den Vordergrund gerückt werden. Eine eigens dafür recherchierte Biografie, geschrieben von dem Kunstkritiker Hans-Joachim Müller, wird zur Ausstellung erscheinen.
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