| Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt
12.12.2009 bis 14.02.2010
AMEI – "Glanz und Gloria"
Städtische Galerie Fruchthalle | Vernissage: 11.12.2009, 19.00 UhrIndes schlägt AMEI bei aller Verwandtschaft zur „Neuen Sachlichkeit“ zugleich eine andere Richtung ein. Sie verändert den traditionellen Ansatz dahingehend, dass sie die Distanziertheit gegenüber den Dingen aufgibt und stattdessen eine Identifikation mit den Dingen anstrebt. AMEI fühlt sich in einem starken Objektbezug den Dingen, die sie malt und die nahezu ausschließlich ihrem häuslichen Umfeld entstammen, verbunden und verfolgt deshalb bei der Gestaltung ihrer Bilder das Erkenntnisinteresse, in die sichtbaren Oberflächen der Phänomene noch tiefer einzutauchen und sie im Prozess des Malens in allen Einzelheiten noch besser kennenzulernen und zu verstehen.
Die Stillleben von AMEI, die in der Städtischen Galerie Fruchthalle vom 12. Dezember 2009 bis 14. Februar 2010 unter der Überschrift „Glanz und Gloria“ gezeigt werden, geben Zeugnis von diesem Versuch, den Dingen des alltäglichen Gebrauchs eine eigentümliche Magie abzugewinnen, die ihnen bei näherer Betrachtung innewohnt. Der Ausstellungstitel nimmt nicht ohne Ironie Bezug darauf, dass die dargestellte Dingwelt – insbesondere Kristallkelche, Butterdosen, Mörser und Service – uns zwar immer noch vertraut erscheint, längst aber einer zurückliegenden Vergangenheit zugehört. In AMEIs Bildern entfalten die Gebrauchsgegenstände, die gleichsam in den Adelsstand des Kunstwerks erhoben werden, noch einmal ihre Pracht und versprühen dabei einen seltsam melancholischen Charme, in der der unabänderliche Verlust des Vertrauten deutlich wird.
So finden sich in ihren Bildern ganze Tischdecken aus dem elterlichen Haus als gemusterte Leinwände wieder – ein Rückgriff auf Alltagsmaterial, der sich auch bei Sigmar Polke entdecken lässt. Darüber hinaus werden mit Mitteln der Collage die gehäkelten und gestickten Deckchen und textilen Untersetzer aus der „guten alten Zeit“ ins Bild und in die Darstellung der Gegenstände integriert. Die applizierte Textilkunst kommt dabei in ihrer Authentizität zur Wirkung und erfährt in ihrer aussterbenden Art eine geradezu postume Würdigung als Relikte einer zwar alltäglichen, aber zugleich auch ein profundes Dingverständnis bergenden Erfahrung einer untergehenden Welt. Dabei verstrahlen sie den Glanz einer vergangenen Tradition, ähnlich den Sternen, deren Licht erst auf der Erde ankommt, wenn sie schon längst erloschen sind.
Die Vernissage zur Ausstellung findet am 11.12.2009 um 19.00 Uhr statt. Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch nimmt die Begrüßung vor und Peter Hank, Leiter der Galerie, wird in die Ausstellung einführen. Für den musikalischen Rahmen sorgen die Karlsruher Turmbläser. Zur Eröffnung der Ausstellung erscheint ein ausführlicher Katalog, herausgegeben in Lindemanns Bibliothek beim info-Verlag Karlsruhe.
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