| Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt
12.12.2009 bis 14.02.2010
AMEI – "Glanz und Gloria"
Städtische Galerie Fruchthalle | Vernissage: 11.12.2009, 19.00 Uhr
Einführung: Rede von Museumsleiter Peter Hank zur Vernissage am Freitag, 11.12.2009AMEI Das Weltverhältnis, in das die von AMEI dargestellten Dinge einbezogen sind, spiegelt sich nun am klarsten in ihrer Transparenz wider. Nicht nur die durchscheinenden Glaskörper, sondern auch die glasierten Porzellane und Keramiken und selbst die reflektierenden Metalle zeigen neben ihrer stofflichen Qualität ein sphärisches Licht, das sie bei aller morphischen Dichte durchlässig scheinen lässt, empfänglich für die herausgehobene und ausgezeichnete Gravität, in der sie stehen. Selbst ein völlig erodiertes Fünfkilogewicht erhält auf diese Weise im Gegensatz zu seiner rostmatten und erdschweren Farbigkeit im Hintergrund eine glänzende, komplementäre Aufhellung. Die Dinge stehen daher nicht nur für sich selbst, sondern reflektieren und beschreiben zugleich ihr Umfeld, weshalb sie in ihren Oberflächen die Welt, zu der sie gehören, geradezu ablichten. Im Glanz, den so die Dinge werfen, ist die Welt mitentworfen, das Licht, das sie einfangen, fängt die Welt ein, die damit ebenso in der Glasmurmel präsent ist wie im Spiegelbild der Schöpfkelle, in der Karaffe wie in den Kristallkelchen. Durch Gegenstände wie eine Beißzange, ein Kehrbesen oder ein Leiterwagen sieht der Betrachter hindurch auf das weltliche Umfeld, das sich atmosphärisch mit der Dingwelt verwebt.
Der mit den Dingen verwobene Weltbezug findet nun aber nicht in statischer Abgeklärtheit statt. Er offenbart sich vielmehr als dynamisches Prinzip in einer energetischen Qualität, die bei AMEI um die dargestellten Dinge herumwogt in mitunter äußert farbprächtigen, gestischen und ornamentalen Texturen. Um dieses bewegte Gewoge zusätzlich mit authentischen Materialien aufzuwerten, bringt AMEI aus dem Fundus der sie umgebenden und von ihr liebgewonnenen Alltagsdinge Einzelstücke in die Bilder ein, die sie entweder als Malgründe oder als collagierte Applikationen ins Bild setzt und zur Geltung bringt. So finden sich in ihren Bildern ganze Tischdecken aus dem elterlichen Haus als ungrundierte Leinwände wieder ebenso wie die gehäkelten und gestickten Deckchen und textilen Untersetzer aus Großmutters Nähschatulle. Die applizierte Textilkunst kommt dabei in ihrer Authentizität zur Wirkung und erfährt in ihrer aussterbenden Art eine geradezu postume Würdigung als Relikte einer zwar alltäglichen, aber zugleich auch ein profundes Dingverständnis bergenden Welterfahrung. Mitunter wirken die runden Häkeldeckchen wie Kristalle einer kosmischen Mutterlauge, die in unmittelbarer Beziehung stehen zum gemalten Kristallzucker in den gläsernen Behältnissen. Dabei verstrahlen sie den Glanz einer vergangenen Tradition, ähnlich den interstellaren Galaxien, deren Licht erst auf der Erde ankommt, wenn sie schon längst erloschen sind.
weiter bitte
zurück zur Übersicht bitte | |