| "Spieglein, Spieglein an der Wand" – so befragt der Mensch seit jeher kritisch sein Spiegel-bild. Gesicht und Körper werden gepflegt, geformt, bearbeitet und dem aktuellen Schön-heitsideal angepasst. Zwar sind Schönheitspflege und Körperkult keine Erfindungen unserer Zeit, jedoch haben sich die Möglichkeiten der Veränderung inzwischen radikal perfektioniert. Nach Bedarf wird aufgepolstert oder abgesaugt, eingespritzt oder glatt gezogen, die Schön-heitschirurgie lässt mittlerweile nahezu keine Wünsche unerfüllt. Noch nie war der Traum von ewiger Jugend in so greifbare Nähe gerückt. Parallel dazu hat der gesellschaftliche Druck, den eigenen Körper zu inszenieren, enorm zugenommen.
Auch in der bildenden Kunst galt die Schönheit durch alle Jahrhunderte als das höchste Gut, war Faszination und Anregung schlechthin. Welche Bedeutung kommt diesem Thema, das den heutigen Menschen derart einnimmt und das gleichzeitig so stark mit Emotionen belegt ist, in der zeitgenössischen Kunst zu? Was sich hinter dem allgegenwärtigen Bedürfnis nach Schönheit und dem Streben nach Makellosigkeit verbirgt, welche Projektionen und Sehn-süchte damit verbunden sind, thematisiert die Ausstellung mit einer Vielzahl an aktuellen künstlerischen Positionen in den Medien Malerei, Fotografie, Plastik, Installation und Video.
Mythen, Klischees und Rollenbilder stehen immer wieder im Mittelpunkt künstlerischen Arbeitens. Mit seiner Plastik „Venus von Offenburg” verweist Ottmar Hörl auf das klassische Schönheitsideal. Doch die Proportionen der antiken Göttin der Schönheit und der Liebe entsprechen nicht dem derzeit vorherrschenden Ideal, zudem stellt die serielle Herstellung der in Kunststoff gefertigten Figur ihre Einmaligkeit in Frage. VALIE EXPORT überprüft in ihrer Fotoarbeit „Liebesperlen”, ob sich die Anmut der drei Grazien auch dann noch mitteilt, wenn sie Kittelschürzen tragen, das typische Kleidungsstück der Hausfrau der 1950er und 1960er Jahre. In ihren fotografischen Inszenierungen widersetzt sich Cindy Sherman dem gängigen Schönheitskanon und irritiert die Sehgewohnheiten des Betrachters. Auch Marlene Dumas wendet sich gegen das Glatte und Normierte. Ungeschönt stellt sie in ihrer 217-teiligen Porträtserie „Female“ die Persönlichkeit der dargestellten Frauen, ihr Gezeichnetsein durch die Mühen und Zwänge des Alltags, in den Vordergrund. Natürlichkeit und Individualität thematisiert hingegen Marie-Jo Lafontaine, wenn sie Jugendliche aus verschiedenen Kulturen und Ländern großformatig ins Bild setzt.
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