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Städtische Galerie Karlsruhe im Kunstportal Baden-Württemberg: Kunst der 20er Jahre in Karlsruhe

Städtische Galerie Karlsruhe
im Kunstportal Baden-Württemberg


staedtische-galerie@karlsruhe.de

10. Dezember 2005 - 12. März 2006
"Die 20er Jahre in Karlsruhe“

Lissy im Gespräch: Ein fiktives Interview mit der Dame auf Karl Hubbuchs bekanntem Gemälde

Bekämpften sich diese beiden künstlerischen Richtungen?

Lissy: Anfangs nicht. Doch gegen Ende des Jahrzehnts wurde gerade Hubbuch immer mehr von den Traditionalisten und ihren Mitstreitern angegriffen. Es kam sogar soweit, dass der Kunstprofessor wie auch seine Kollegen Schnarrenberger und Scholz 1933 nicht mehr an der Akademie unterrichten durften und Malverbot erhielten.

Wie sah es wirtschaftlich aus in der Stadt?

Lissy: Der erste Weltkrieg lag hinter uns. Die sogenannten „goldenen 20er Jahre“ brachten für viele Karlsruher aber zuerst Armut und Arbeitslosigkeit. Hier herrschte wie anderswo auch Wohnungsnot, die mit Neubauprojekten beseitigt werden sollte. Im „Dammerstock“ leitete der berühmte Bauhaus-Architekt Walter Gropius die Gestaltung einer Siedlung. Das waren ungewohnt schlichte, flach gedeckte Mehrfamilienhäuser, die sich kaum unterschieden und über die sich viele Karlsruher lustig machten. Doch das Elend versuchten wir oft auch zu vergessen. Wir amüsierten uns, gingen ins Café und tanzten in Bars. Wir Frauen liebten den Luxus, ließen uns die Haare raffiniert schneiden und getrauten uns auch, in der Öffentlichkeit ein Zigarette zu rauchen.

So kennt man sie ja auch. Gibt es für Sie ein Wiedersehen mit alten Bekannten in der Ausstellung?

Lissy: Sicherlich. Schnarrenbergers „Architekt“ und ich – wir hängen ja auch in der Dauerausstellung nah beieinander und kennen uns bestens. Von Schnarrenberger, Scholz und Hubbuch sind eine Vielzahl von weiteren Werken aus eben dieser Zeit zu sehen, deren Entstehung ich ja miterlebt habe. Nicht zu vergessen auch Voll, der Bildhauer, er hat die Schattenseiten des Jahrzehnts in Holz geschnitzt. Willi Müller-Hufschmid und Hubbuchs Schülerin Hanna Nagel sind mit ihren Arbeiten ebenfalls vertreten. Insgesamt weit mehr als 350 Werke, darunter internationale Leihgaben, sind bis zum 12. März zu sehen, auch Bilder und Skulpturen der Traditionalisten. Das Kunsthandwerk, die Architektur und die Fotografie bekommen ebenfalls ihren Platz. Die Dauerausstellung wurde im Lichthof 10 ausgeräumt, und ich durfte ins erste Obergeschoss an eine prominente Stelle umziehen.

Wie kamen Sie eigentlich in die Städtische Galerie?

Lissy: Aus dem Kunsthandel wurde ich vor etwa 30 Jahren für die Kunstsammlungen der Stadt Karlsruhe erworben. Seitdem bin ich in der Schausammlung zu sehen. Mit Stolz darf ich sagen, dass ich eines der meistbeachteten Bilder hier bin. Kein Wunder, schließlich stehe ich für eine bedeutende künstlerische Epoche in Karlsruhe und die Karlsruher von heute erkennen mich meist wieder, denn mein Bildnis zeigt ja auch ein inzwischen sehr prominentes Gesicht.

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