| Mit großer Freude begrüße ich Sie heute als neue Leiterin der Städtischen Galerie Karlsruhe. Meine Wahl durch die Kommission im Juli und mein Dienstantritt in geänderter Funktion zum 1. September 2008 beendeten die letztlich anderthalbjährige Interimszeit seit der Pensionierung von Frau Professor Rödiger-Diruf im April 2007. Für die zahlreichen Glückwünsche zu meiner Ernennung aus dem Kreis der Besucher, des Förderkreises und der Kollegen bedanke ich mich herzlich. Unter der Überschrift „Kontinuität und Veränderung“, mit dem der Artikel zu meiner Ernennung in der Stuttgarter Zeitung überschrieben war, können wir auch die Abfolge der Ausstellungen vom Herbst 2007 bis zum Ende 2008 zusammenfassen.
Interessante Einblicke in das Werk von drei Professoren der Karlsruher Akademie, das in Karlsruhe in diesem Umfang noch nie zu sehen war, rundeten das Bild der historischen wie aktuellen künstlerischen Positionen an der hiesigen Kunstschule ab. Die Präsentationen „Otto Herbert Hajek: Raum – Farbe – Zeichen“ im Lichthof sowie „Rainer Küchenmeister – Aquarelle und Zeichnungen“ im Forum standen für zwei künstlerische Positionen einer Generation. Aus der Kunst des Informel kommend, entwickelten sich beide völlig unterschiedlich: Während sich der Bildhauer Hajek der konstruktiv-konkreten Formensprache verpflichtet fühlte, wandte sich der Maler Küchenmeister der Figuration zu. Unmittelbar im Anschluß folgte eine repräsentative Auswahl meist großformatiger Gemälde des amtierenden Rektors der Akademie der bildenden Künste „Erwin Gross. Malerei 1982–2007“. In dieser beeindruckenden Werkschau wurde das ganz Spektrum seiner künstlerischen Intention und Arbeitsweise deutlich.
Mit der Präsentation „Kino & Comics. Comic-Helden im Film“ verließen wir für drei Monate die konzeptionell vorgegebenen Pfade und widmeten uns den Sommer über einem Bereich der Alltagskultur, der seit den 1960er Jahren eng mit der hohen Kunst verknüpft ist. Das Thema fand großen Anklang. Allein während der Karlsruher Museumsnacht kamen nahezu 4000 Besucher. Gleichermaßen außergewöhnlich wie faszinierend ist die Präsentation „Licht – Bilder. Fotokunst von Man Ray und Sigmar Polke“ mit bedeutenden Werken zweier Künstler-Fotografen, die im experimentellen Arbeiten eine unverwechselbare Sprache entwickelten und Inkunabeln der Fotografiegeschichte schufen. Sie wird über den Jahreswechsel hinweg bis zum 22. Februar 2009 zu sehen sein
Einen außergewöhnlichen Titel wählte Günter Umberg für die von ihm kuratierte Präsentation unserer Dauerausstellung. Der überraschende Titel „Rohes Fleisch“ geht zurück auf den Ethnologen Claude Lévi-Strauss und dessen 1962 erschienenes Buch „Das wilde Denken“. Darin wird die archaische, magische Weltsicht vermeintlich „primitiver“ Kulturen beschrieben, nach der alle Wesen, Dinge und Phänomene durch einen umfassenden Zusammenhang miteinander verbunden sind. Umberg rückt mit seinem Ausstellungskonzept die sinnliche Wirkung der Kunstwerke in den Vordergrund. Er setzt sehr verschiedenartige Arbeiten miteinander in Beziehung und verzichtet auf historische sowie kategorisierende Bezüge. So entstehen unerwartete Verknüpfungen und Perspektiven. Zu Umbergs sensiblem Umgang mit den Gemälden, Fotografien, Papierarbeiten, Plastiken und Objekten kommt sein einfühlsamer Umgang mit den Räumen des Museums.
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