| Die Arbeiten zeugen von einem umtriebigen Geist – der sowohl frühere Motive oder Ideen wieder aufgriff und neu interpretierte als auch im steten Austausch mit anderen Künstlern, etwa der süddeutschen Gruppe Spur, zu ungewöhnlichen Lösungen fand. Sein stark materialorientierter Umgang mit seinen Gemälden, Zeichnungen, Collagen oder Decollagen schlägt sich auch in der Druckgrafik nieder: So setzte er in vielfarbigen Holzschnitten die Maserungen gegeneinander, rang Lithografien etwa durch einen informellen Einsatz von Schnüren oder ähnlichem unkonventionellen Mitteln neue bildnerische Qualitäten ab, oder nutzte die Kaltnadel für ungewöhnlich leuchtend-bunte Arbeiten, die unmittelbar ansprechen. Masken, Münder, Augen, Fratzen tauchen aus den Liniengeflechten, Farbstrudeln und -flächen auf oder verschwinden wieder. Die oft sehr sprechenden Titel (aus vielen Kulturkreisen) gehören abschließend zu jedem Werk, wenn sie den Zugang auch nicht immer zu erleichtern scheinen – die Verwirrung, Animation und „Erklärung“ unterstützt jedoch die Auseinandersetzung des Betrachters mit Asger Jorns Bildideen, die Teilnahme am Dargebotenen.
Die annähernd 150 ausgestellten Werke stammen vornehmlich aus der reichen Sammlung des jütländischen Silkeborg Kunstmuseums, das den Nachlass Asger Jorns pflegt und auch nahezu alle druckgrafischen Werke besitzt. Einige wichtige Exponate steuert die Münchner Galerie Marie-José van de Loo bei, deren Vater Otto van de Loo zu den frühen deutschen Vertretern und Verteidigern von Asger Jorns Kunst und der seiner Weggefährten zählte – und sich einst immer wieder Angriffen der konservativen Kunstszene erwehren musste. Die beiden Leihgeber arrangierten die Wiederauflage des 1976 erschienenen Werkverzeichnisses, das von Gerd Presler wesentlich überarbeitet und ergänzt wurde. Die Exponate aus vier Jahrzehnten bieten einen repräsentativen Einblick in die farbstarke und dynamische, von nordischen Mythen wie vom aktuellen Zeitgeschehen geprägte Bildwelt Asger Jorns. Damit wird dem Publikum der hierzulande immer noch zu wenig bekannte dänische Künstler vorgestellt, der in seiner Heimat zu den berühmten Meistern des 20. Jahrhundert zählt, und die Vielfalt seines herausragenden druckgrafischen Schaffens mit einem eindrucksvollen Querschnitt präsentiert.
Begleitprogramm
Öffentliche Führungen Sonntag, 07. Februar, 11.30 Uhr Sonntag, 28. Februar, 11.30 Uhr Sonntag, 21. März, 11.30 Uhr Sonntag, 11. April, 11.30 Uhr
Führung für Lehrerinnen und Lehrer Montag, 25. Januar, 17 Uhr
"Gedanken eines Künstlers" Kuratorenführung und szenische Rezitation von Rüdiger Erk Donnerstag, 18. Februar, 18.30 Uhr Donnerstag, 11. März, 18.30 Uhr
"Das wahrhaft Neue ist das Unbekannte" Ausstellungsrundgang mit Prof. Dr. Dr. Gerd Presler, Bearbeiter des neuaufgelegten Werkverzeichnisses der Druckgrafik Asger Jorns Donnerstag, 18. März, 18.30 Uhr
Experimentell, dynamisch, expressiv Jazzkonzert mit dem Jugendstreichorchester der Musikschule Bietigheim-Bissingen unter der Leitung der Dozenten Nicola Kruse und Jens Pietzunka Samstag, 27. Februar, 19 Uhr
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