| Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion
Die Welt ist meine Wahnvorstellung Michael Schulz inszeniert Korngolds „tote Stadt“ erstmals in Osnabrück
Mit den dekorativ aufgebahrten Überbleibseln der über alles geliebten Vorgängerin darf Marietta ungestraft ihre Scherze treiben. Doch als sie versucht, die Welt mit Pauls Kameraauge und ihn selbst als einzigen Bestandteil derselben zu betrachten, ist ihr Schicksal besiegelt. Er entledigt sich der unheimlichen Mitwisserin, aber die drei Bildschirme, die ihn nach dem vermeintlichen Befreiungsschlag umzingeln, zeigen unmissverständlich, wem sein ausschließliches Interesse gilt.
Michael Schulz ist bei der Osnabrücker Erstaufführung der einst weltberühmten Korngold-Oper eine überzeugende Deutung gelungen, die er, begünstigt durch das variable Bühnenbild von Jan Bammes und die passgenauen Kostüme von Martina Feldmann, immer wieder zu einer bildgewaltigen Aussagekraft verdichten kann. Dabei wählt der Regisseur mitunter den einfachsten Weg, wenn er christliche Symbolik und aggressive Erotik in zügellose Gewaltfantasien münden lässt. Aber muss ein zeitgemäßes Inszenierungskonzept erst dutzendfach durch die ideologischen Labyrinthe postmoderner Theoriebildung gejagt werden?
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