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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Mozarts La clemenza di Tito


Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Das Märchen vom guten Herrscher

Mozarts späte Oper "La clemenza di Tito“

(Erstveröffentlichung: Rheinischer Merkur)

Mehr als 200 Jahre nach der Uraufführung könnte auch Mozarts späte Oper „La clemenza di Tito“ noch den Sprung ins Repertoire schaffen.


Für Maria Louisa, die Gattin des reformunfreudigen deutsch-römischen Kaisers Leopold II. und frischgekrönte Königin von Böhmen, war schon die Prager Uraufführung von Mozarts „La clemenza di Tito“ im September 1791 kein Grund zur Freude. Die blaublütige Spanierin empfand die Geschichte vom mildtätigen Herrscher, der seinen Attentätern verzeiht und das eigene Lebens- und Liebesglück den Bedürfnissen des Staates unterordnet, als persönliche, ja vielleicht sogar als politische Zumutung und bemerkte indigniert, das Ganze sei „una porcheria tedesca“ – „eine deutsche Schweinerei”.

Die Musikgeschichte fällte ihr Urteil nicht in dieser Schärfe, doch die „Milde des Titus“ blieb ein seltener, misstrauisch beäugter Gast auf sämtlichen Opernbühnen. Noch Ernst Bloch befand in seinem Mitte des 20. Jahrhunderts veröffentlichten „Prinzip Hoffnung“, es handele sich hier – und übrigens auch im frühen Sündenfall „Idomeneo“ – um „keine adäquaten Mozart-Opern“. 1977 ergänzte Wolfgang Hildesheimer in der ansonsten bahnbrechen „Mozart“-Studie: Das von den böhmischen Ständen zur Krönung Leopolds in Auftrag gegebene Werk sei schon zu seiner Entstehungszeit ein Relikt gewesen und bestenfalls „eine Sache der ´linken Hand´“. Nicht einmal die streckenweise recht hübsche Musik könne verhindern, dass die Opera seria im allgemeinen und „Titus“ im besonderen als „ein ewig Veraltetes dahinvegetiert und die Last der Zeitferne, des Leblosen für immer mit sich trägt.“

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