| Nicht nur zeitgenössische Klänge, auch Alte Musik, d.h. Kompositionen, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts oder noch früher entstanden sind, können den gegenwärtigen Hörer vor erhebliche Probleme stellen. Die hängen dann nicht mit fehlenden Melodien oder rhythmischen Extravaganzen zusammen, sehr wohl aber mit grundsätzlichen Verständnisschwierigkeiten. Allegorien, kultur- und zeitgeschichtliche Anspielungen oder Sprachbarrieren erfordern heute den Beistand eines Universalgelehrten oder einer Bibliothek.
Diese Einschränkung gilt sicher auch für Johann Joseph Fux´ kaum bekanntes Oratorium "Il fonte della Salute" ("Die Quelle des Heils") aus dem Jahr 1716. Es behandelt in oben beschriebener Form die Rettung zweier Sünder vor der Verdammnis und wäre ohne die musikalische Ausgestaltung sicher nur noch für Experten interessant. Doch Johann Joseph Fux, dem Meister der österreichischen Barockmusik, gelingt es durch die Gleichzeitigkeit von Virtuosität und äußerster Konzentration der künstlerischen Mittel mehr als nur Aufmerksamkeit zu erwecken. Dem Oratorium wohnt eine meditative Kraft inne, die sich allerdings nur denjenigen erschließt dürfte, die genügend Zeit, Geduld und innere Ruhe mitbringen.
Johann Joseph Fux: Il fonte della Salute, 2 CDs, cpo
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