| Wenn die Geschichte schon im Großen und Ganzen nicht gerecht ist, kann die Musikgeschichte wohl kaum eine Ausnahme machen. Gleichwohl darf das Schicksal des einst europaweit gefeierten Giovanni Paisiello, der von berühmteren Zeitgenossen wie Wolfgang Amadeus Mozart komplett aus dem Gedächtnis der Nachwelt verdrängt wurde und bei einer seiner gelungensten Opern auch noch gleichnamige Konkurrenz von Gioacchino Rossini bekam, als besonderer Härtefall gelten.
Zumal Paisiellos „Barbiere“ so beschaffen ist, dass er es allemal verdient, wenigstens gelegentlich zu Gehör gebracht zu werden. Denn die 1782 in Petersburg uraufgeführte Oper steht ihrem populäreren Nebenbuhler in punkto melodischer Erfindungsgabe, anspruchsvoller Arien- und brillanter Ensemblegestaltung, aber auch im Hinblick auf die musikalische Situationskomik kaum nach, so dass Petrosellinis Libretto, das Beaumarchais´ gesellschaftskritische Tendenzen zugunsten eines banalen Allerweltslustspiels eliminiert, letztlich das einzige Ärgernis darstellt.
Auf der bei Dynamic erschienenen Gesamtaufnahme, einem Live-Mitschnitt aus dem Teatro Lirico G. Verdi di Trieste, kommen die Vorzüge der Partitur jedenfalls zur vollsten Entfaltung. Daran hat Anna Maria Dell´Oste, die ihre Rosina ebenso elegant wie schwindelfrei interpretiert, sicher den gewichtigsten Anteil. Aber auch Dell´Ostes Bühnenpartner Antonino Siragusa (Alamaviva), Luciano di Pasquale (Bartolo), Pietro Spagnoli (Figaro) und Danato di Gioia (Basilio) verleihen ihren Figuren vokale Prägnanz und persönliches Gewicht. Das Orchestra del Teatro Lirico G. Verdi di Trieste erweist sich unter der versierten Leitung von Giuliano Carella nicht nur als verlässlicher Partner, sondern auch als nimmermüder Motor des turbulenten Geschehens. Fazit: Eine Doppel-CD, die rundum gute Laune verbreitet und Lust auf entsprechende Theatererfahrungen macht. Giovanni Paisiello: Il Barbiere di Siviglia, 2 CDs, Dynamic
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