| Die deutschtümelnden Abschiedsworte des braven Schusters Hans Sachs hätten Wagners „Meistersinger“ vermutlich auch dann ins Zwielicht gesetzt, wenn der Schmährede gegen wälschen Dunst und Tand die unselige Vereinnahmung durch nationalsozialistische Opernfreunde erspart geblieben wäre. Doch da das umstrittene Werk nun einmal als Hitlers Lieblingsoper und Festmusik der Reichsparteitage in die Geschichte eingegangen ist, sind solche Überlegungen kaum mehr relevant. Wichtiger ist die tatsächliche Rezeptionsgeschichte des Werkes, die bei aktuellen Aufführungen durchaus zur Sprache kommen kann, auch wenn Teile des Publikums dann noch verbiesterter dreinblicken als die im Labyrinth der eigenen Regeln und Konventionen verlorengegangenen Meistersinger.
Foto: Joachim Hiltmann Andreas Baesler, der die monumentale Oper zwar am Ort des Geschehens belässt, die Handlung aber in das Jahr 1945 verlegt, ist diese schwierige Aufgabe über weite Strecken gelungen. Dadurch ergeben sich eine Vielzahl neuer, teilweise überraschender Aspekte, die nicht nur den aggressiven Nationalismus, sondern auch die schmierige Behaglichkeit des Wagnerschen Bürgertums in eine zeitübergreifende Beziehung setzen. Überdies wird das semantische Dilemma des penetrant beschworenen Kunstbegriffs noch nicht hinreichend geklärt, aber doch vorerst ins rechte Licht gezerrt. Denn schließlich gilt´s hier nur der Kunst des Richard Wagner, der sich selbst einmal mehr als Idealbesetzung für die Doppelrolle des Verkünders und Erlösers feiert.
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