| Das hohe Ansehen, das der 1908 geborene Henri Dutilleux als einer der profiliertesten zeitgenössischen Komponisten weltweit genießt, hat seinen Grund sicher nicht zuletzt in der faszinierenden Symbiose aus gezieltem Traditionsbewusstsein und dynamischem Erneuerungswillen, die sein Gesamtwerkwerk auszeichnet und es von den Willkürlichkeiten mancher Kollegen abhebt.
Und so überzeugt auch der zweite Teil seiner neu auf CD zusammengestellten Orchesterwerke mit der leidenschaftlichen 1. Symphonie (1951), dem hochvirtuosen Cellokonzert "Tout un monde lointain" und der brillanten Tondichtung "Timbres, Espace, Mouvement" (1978, Revision: 1991) nach van Goghs Gemälde "Die Sternennacht" durch ein Höchstmaß an handwerklicher Perfektion und kompositorischer Originalität. Dutilleuxs Gespür für hauchzarte Klangfarben, die Positionierung rhythmischer Effekte und die Wirkung mal prägnanter mal ausgedehnter Melodielinien hat natürlich mit Debussy, Ravel, Satie und auch Strawinsky zu tun, und doch berichten seine Partituren auch von den psychischen und ästhetischen Verwerfungen, die erst in späteren Verläufen des 20. Jahrhunderts ihre Spuren hinterlassen haben. Unter der Leitung des Dutilleux-Freundes und engagierten -Anwaltes Hans Graf interpretiert dass hellwache Orchestre National Bordeaux Aquitaine die Werke so präzise und gleichzeitig so unverkrampft, als ob es nie etwas anderes getan hätte. Mit ihnen stellt aber auch Jean-Guihen Queyras in "Tout un monde lointain" erneut unter Beweis, dass er zu den herausragenden Cellisten seiner Generation gehört.
Henri Dutilleux: Orchesterwerke, Vol. 2, Arte Nova
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