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Traumtänzer mit Schießgewehr
Webers "Freischütz" in BielefeldBitte nicht schon wieder, wird der eine oder andere fleißige Opernbesucher denken, wenn er das landauf landab gespielte Wald- und Wiesenmärchen zum xyz. Mal in der Programmvorschau findet. Andererseits wissen fleißige Besucher des Theaters Bielefeld, dass solche Befürchtungen insbesondere dann unberechtigt sind, wenn sich Gregor Horres einmal wieder hinters Regiepult klemmt. Dem ostwestfälischen Oberspielleiter gelingt es nämlich mit schöner Regelmäßigkeit, den Blick auf das Original so zu verstellen, dass man nicht unbedingt das Gefühl haben muss, selbiges bereits gesehen zu haben, geschweige denn zu "kennen".
Im Falle von Webers "Freischütz" geht dieses Konzept - sieht man von eher marginalen logischen Inkonsequenzen ab - allerdings auf. Horres demonstriert am Inbegriff der deutschen Nationaloper nämlich nicht nur die Fragwürdigkeit landestypischer Idiome, sondern bei der Gelegenheit auch gleich das selbstzerstörerische Potenzial einer Gesellschaft, die ihre mühsam gewonnene Freizügigkeit zu nichts anderem nutzen kann, als sich selbst postwendend neue Regeln, Konventionen und fragwürdige Verhaltensmuster aller Art aufzuerlegen.
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