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Stegmusik 39

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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Romantic Callas

„Ich stopfte mich Tag und Nacht mit Pasta, Schokolade, Butterbroten und Zabaglione voll – unter dem Vorwand, dass zu einer guten Stimme eine dralle und blühende Figur gehöre. Ich war rundlich und rosig und hatte etliche Pickel, die mich verrückt machten.“ Die in Griechenland studierende Sängerin Maria Anna Kalogeropulou, die sich später Maria Callas nannte, hatte ganz offenbar noch nichts vom Glanz und Glamour eines kommenden Weltstars. Doch sie war ehrgeizig – und das nicht nur im Hinblick auf die physische Selbstdisziplinierung. In den 40er, 50er und 60er Jahren eignete sie sich ein Repertoire an, dessen Bandbreite bis heute einzigartig ist. Nicht wegen der bloßen Anzahl der einstudierten Rollen, sondern aufgrund der schier endlosen Differenzierungsmöglichkeiten, mit deren Hilfe sie jeder einzelnen Partie ein unverwechselbares Gepräge gab.
EMI hat einer neuen Doppel-CD mit weltberühmten Arien und Duetten deshalb nicht ganz ohne Grund den ein wenig glitschigen Titel „Romantic Callas“ verliehen. Denn dass sich alle Opernausschnitte von Bellini, Verdi, Puccini, Bizet, Berlioz oder Saint-Saens letztlich um die Liebe und das Leiden an derselben drehen, ist vermutlich der einzige gemeinsame Nenner, auf den sich auch „La Divina“ eingelassen hätte. Wichtiger ist aber zweifellos das reale Hörerlebnis, denn dieses allein beweist, dass es der Callas nicht so sehr um das technisch perfekte Absingen wohlklingender Melodien, sondern um die immer neue und immer anders geartete Darstellung individueller Schicksale ging.

Unter diesen Umständen konnten die Produzenten Arien und Duette aus „Don Giovanni“ und „Carmen“, „Die Nachtwandlerin“ und „Tosca“, „Samson und Dalila“ und „La Traviata“ und vielen anderen Opern-Klassikern mühe- und schadlos nebeneinander setzen. Dass „Romantic Callas“ zu einer spannungsgeladenen Rundreise durch die Musikgeschichte geworden ist und die Aufnahmen nach fast 50 Jahren überhaupt nichts von ihrer Faszination verloren haben, liegt allerdings nicht ausschließlich an der übergroßen Sopranistin. Im Verlauf der zweieinhalb Stunden wird nämlich auch deutlich, wie sehr die Callas auf sensitive Dirigenten wie Georges Pretre, Herbert von Karajan oder Tullio Serafin und natürlich auf kongeniale Tenöre wie Alfredo Kraus, Nicolai Gedda, Nicola Monti oder den legendären Giuseppe di Stefano angewiesen war, um sich selbst und die jeweilige Partitur zur vollen Entfaltung zu bringen.

Romantic Callas. Arien und Duette, 2 CDs, EMI

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