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Der scheidende Kölner Generalintendant Günter Krämer macht seinem Publikum den Abschied immer schwerer. Denn nach der phänomenalen Neuinszenierung der Hindemith-Einakter "Mörder, Hoffnung der Frauen", "Sancta Susanna" und "Das Nusch-Nuschi" verdient auch die zweite Opern-Premiere dieser Saison das Prädikat außergewöhnlich.
Der kanadische Regisseur Robert Carsen zeigt Georg Friedrich Händels selten gespielte Oper "Semele" aus dem Jahr 1744 nicht als historisches Allerweltsspektakel, sondern (im Sinne von Komponist und Textdichter William Congreves) als hintersinnige Mythentravestie, die den selbstgefälligen Machtansprüchen der Schönen und Reichen einfallsreich in die Parade fährt. Dazu genügt ihm eine behutsame Modernisierung der antiken Sage. Diese erzählt die Geschichte der ehrgeizigen Königstochter Semele, die unsterblich werden will und sich von ihrer getarnten Rivalin, der Göttergattin Juno, überreden läßt, den allmächtigen Zeus in seiner wahren Gestalt sehen zu wollen. Semele bezahlt ihre Selbstüberschätzung mit dem Leben, doch in Carsens Inszenierung bricht auch den High-Society-Göttern das moralische Rückgrad.
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