| Ein flüchtiger Blick auf den neuen Spielplan des Theaters Bielefeld könnte die Vermutung nahelegen, die Verantwortlichen wollten - wenigstens zu Saisonbeginn - jedes Risiko meiden. Schließlich kann man mit Verdis "Otello" nicht viel falsch machen und das Publikum, auf das noch zwei zeitgenössiche Opern warten, milde und versöhnlich stimmen.
Doch ganz so einfach hat man es sich in Bielefeld nicht gemacht. Die Neuinszenierung des wohl berühmtesten Eifersuchtsdramas der Literatur- und Musikgeschichte ist alles andere als pflegeleicht. Regisseurin Barbara Beyer verwandelt Verdis spätes Meisterwerk in ein nüchternes Ränkespiel um Macht und Einfluss. Liebe spielt sich hier nur "als eine irgendwie geartete Vorstellung ab", und zum finalen Blutvergießen besteht deshalb kein Anlass mehr. Das ist irgendwie ungewöhnlich, irgendwie auch ganz schön zeitgeistig, hat aber auch irgendwie rein gar nichts mehr mit dem Werk zu tun, das hier einem neuen Deutungsversuch unterzogen werden sollte. Eine Oper, deren emotionale Wucht in jedem Takt zu spüren ist, eignet sich schlecht als Vorlage für das gefühlskalte Happening einer ausgepumpten Spaßgesellschaft.
weiter bitte
zurück zur Übersicht bitte | |