| Die Höflinge wollen seinen Tod, weil er die Gunst Elisabeths I. genießt. Aber auch die ist im Grunde geneigt, ihn hinrichten zu lassen. Nicht wegen Hochverrats. Doch wenn sich herausstellen sollte, dass er sein Herz tatsächlich an eine andere verschenkt hat ... Unter diesen Umständen scheint es wenig opportun, ein Verhältnis mit der Frau seines einzigen Freundes anzufangen. Aber wo nähmen wir sonst tragische Helden wie Roberto Devereux her? Die 57. der insgesamt 70 Opern aus der Feder Gaetano Donizettis ist hierzulande weitgehend unbekannt. Bedauerlicherweise, denn den deutschen Bühnen fehlt damit ein zentraler, musikalisch und dramaturgisch überzeugender Beitrag zur Blütezeit der Belcanto-Kultur. Immerhin liegt die vor Melodienreichtum nachgerade überquellende Liebesgeschichte der Königin Elisabeth jetzt wieder in einer außergewöhnlichen Studioaufnahme vor.
Dass dieselbe schon 32 Jahre alt ist, gibt zu denken, trübt den Hörgenuss aber selbstverständlich nicht. Eher im Gegenteil, denn dieser "Roberto Devereux" beweist: es war einmal möglich, Belcanto-Opern auf höchstem Niveau und mit letztem Engagement zum Klingen zu bringen. Die legendäre, wunderbar exaltierte Beverly Sills (Elisabeth) findet in Robert Ilosfalvy (Roberto), Beverly Wolff (Sara) und Peter Glossop (Nottingham) rangleiche Partner. Und das Royal Philharmonic Orchestra unter Charles Mackerras durchleuchtet die Partitur so filigran und präzise als ginge es um ein Meisterwerk des Impressionismus.Kein Zweifel: das ist große Oper, ganz große Oper sogar. Aber es ist - leider - die große Oper vergangener Jahrzehnte.
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