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Musikritik 25

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Arvo Pärt: Johannes-Passion

Wenn ein Komponist nach Johann Sebastian Bach darangeht, die Leidensgeschichte Christi musikalisch auszudeuten, muss er mit den Konsequenzen leben. Doch der zwangsläufige Vergleich mit dem Unvergleichlichen hat Tonsetzer unterschiedlicher Epochen nicht davon abgehalten (oder vielleicht sogar motiviert), die biblischen Ereignisse noch einmal neu zu interpretieren.
Und siehe da - im 20. Jahrhundert ist es gleich zwei Werken gelungen, sich neben den großen Vorbildern zu etablieren. Zunächst konnte sich die 1966 uraufgeführte Lukas-Passion von Krzystof Penderecki im Repertoire behaupten, 16 Jahre später folgte Arvo Pärts "Johannes-Passion", die seither vielfach aufgeführt wurde und jetzt in einer eindrucksvollen Neueinspielung vorliegt.

Der estnische Komponist, der sich zunächst mit sämtlichen Spielarten zeitgenössischer Musik vertraut gemacht hatte, begann in den 70ger Jahren Traditionen des Mittelalters und der Renaissance mit modernen Klangvorstellungen zu verbinden. In der 1982 uraufgeführten " Passio Domini nostri Jesu Christi secundum Joannem" ist dieser eigenwillige und zweifellos recht originelle Stil bereits voll entwickelt. Der Konzentration des Textes auf die dramatische Auseinandersetzung zwischen Jesus, Pilatus und den Juden entspricht eine äußerste musikalische und personelle Reduktion. Pärt genügen zwei Solisten, vier Sänger, vier Instrumente, Chor und Orgel, um eine suggestive Innenspannung aufzubauen, die vollständig auf theatralische Effekte verzichten kann.
Dass der meditative Charakter dieses Werkes durchaus dynamische Seiten hat, vermittelt sich den Hörern natürlich nur, wenn es in kongenialer Weise interpretiert wird. Den Solisten und Ensembles dieser Aufnahme, allen voran Jorma Hynninen (Jesus), Topi Lehtipuu (Pilatus) und dem Candomino Choir unter Tauno Satomaa, ist genau das gelungen. Sie schlagen eine faszinierend Brücke über die Jahrhunderte und beweisen damit auch, dass die Passions-Geschichte nach Bach sehr wohl noch vertont werden kann.


Arvo Pärt: Johannes-Passion, Finlandia

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