|
Seine Adagios seien „Religion“ schwärmte der Brahms-Freund Hans von Bülow, und auch innerhalb der drei Violinsonaten bilden die langsamen Sätze gravitätische Zentren der Selbstbesinnung und melancholischen Weltbetrachtung. Ilia Korol und Natalia Grigorieva zelebrieren sie mitsamt ihren temporeichen, aufregenden und doch so formvollendeten Allegros, Vivaces und Prestos auf einer der Brahms-Zeit nachempfundenen Geige und einem Flügel der Firma Streicher aus dem Jahr 1870, der in ähnlicher Form auch vom Komponisten genutzt wurde. Die historische Aufführungspraxis hat bei allem grundsätzlichen Für und Wider in diesen drei Fällen einen unschlagbaren Vorteil: Sie lässt die überreiche Klangfarbenpalette aller drei Sonaten vielleicht erstmals vollständig erstrahlen und vermittelt so einen Eindruck von der Faszinationskraft der Kammermusik im 19. Jahrhundert, die offenbar doch ins 21. übertragen werden kann.
Johannes Brahms: Violinsonaten, Challenge Classics
zurück zur Übersicht bitte | |