| Liegt es an den betörenden Weisen, die der Urvater aller Musiker seiner zur Geige mutierten Leier entlockt? Sorgt das Übermaß von Nektar und Ambrosia für eine sprunghafte Steigerung der Libido? Oder können Menschen und Götter nicht voneinander lassen, weil das knallrote Plastikherz von Götterenkel Eros so eifrig klopft?
Anfang der 70er waren diese Fragen so schwer zu beantworten wie eh und je, doch nur selten sind sie in so spritziger und phantasievoller Weise gestellt worden wie seinerzeit an der Hamburgischen Staatsoper. Der charismatische Intendant Rolf Liebermann sorgte damals nicht nur für gediegene szenische Umsetzungen, sondern auch für deren Konservierung, in dem er 13 Produktionen in einer Fernsehfassung aufzeichnen ließ. In der Regie von Joachim Hess und der opulenten Ausstattung von Bernard Daydé gehört Offenbachs boshafte Antikentravestie zweifellos zu den spektakulärsten. Auch wenn die rücksichtslosen Eingriffe in Textbuch und Partitur manchen Liebhaber der Originalfassung zum tiefen Durchatmen zwingen. Das erstklassige, um die Kontrahenten Toni Blankenheim (Jupiter), Kurt Marschner (Orpheus) und William Workman (Pluto) gruppierte Ensemble präsentiert sich in gutgelaunter Höchstform und harmoniert glänzend mit dem Philharmonischen Staatsorchester unter Marek Janowski. Drei prominente „Gäste“ bilden das Sahnehäubchen dieser Aufführung, und die „Öffentliche Meinung“ von Liselotte Pulver, Inge Meysels burschikose Göttergattin Juno und Theo Lingens ewig näselnder, weil nunmehr kammerdienernder Ex-König Styx gehören ganz sicher zu den Bühnenfiguren, die unbedingt für die Nachwelt erhalten werden sollten.
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