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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Fanny Mendelssohn-Hensel: Das Jahr

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Werner Egk: Abraxas

Lauma Skride spielt Fanny Mendelssohn-Hensel

Ihre Schwester gehört bereits zu den Hoffnungsträgern der internationalen Klassikszene, und nun ist auch Lauma Skride auf dem besten Weg, sich in die vorderste Reihe derselben zu spielen. Was jene auf der Violine bewegt, zaubert diese auf die Tasten ihres Flügels, und das eine Ergebnis ist ebenso verblüffend wie das andere. Dabei bestechen die Skride-Schwestern nicht nur durch ihre stupende Technik und atemberaubende Virtuosität, sondern vor allem durch die Tiefe und bedingungslose Konsequenz ihres musikalischen Ausdrucks.

thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Lauma Skride_Fanny Mendelssohn-HenselWerner Egk: Abraxas

Erfreulicherweise hat sich auch Lauma Skride dazu entschlossen, jenseits ausgetretener Repertoirepfade Raritäten und seltene Kostbarkeiten aufzuspüren, die das Publikum aus einsehbaren Gründen zwar nicht zum Mitsummen animieren, ihm aber zur reichlichen Entschädigung vielfältige Entdeckerfreuden bieten. Eine bessere Wahl als Fanny Mendelssohn-Hensels 1841 entstandenen Klavierzyklus „Das Jahr“ hätte Lauma Skride unter diesem Gesichtspunkt kaum treffen können. Denn auch wenn die Schwester des ungleich berühmteren Felix, die vom Vater streng ermahnt wurde, Musik immer nur als „Zierde“ und nie als „Grundbass“ zu betrachten, in den vergangenen Jahren als ebenso eigenständige wie bedeutende Komponistin entdeckt wurde, gehört ihr schmales Oeuvre noch längst nicht zum Grundbesitz der musikalischen Romantik. Wie sehr es dort am Platz wäre, beweisen freilich diese 12 Charakterstücke, die weder Illustration noch Stimmungsmalerei sein wollen, sondern im raschen Wechsel von meditativer Versunkenheit und energischem Vorwärtsdrang (Hörtipp: April) ganze Seelenlandschaften vor Ohr und innerem Auge ausbreiten.

Lauma Skride verwandelt diese Vorlage zu einer außergewöhnlichen Klavierstunde. Die makellose Technik erlaubt es der jungen Lettin, sich auf konzeptionelle Fragen zu konzentrieren und diese in einer erstaunlich souveränen und unprätentiösen Darbietung aufzulösen. Die nicht eben komplexen Tonfolgen verlieren so jede Erdenschwere, ohne Bedeutsamkeit und Faszinationskraft einzubüßen.

Fanny Mendelssohn-Hensel: Das Jahr, Sony

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