| Der Zenit der Karriere war bereits überschritten, die Steuerbehörden begannen sich ernsthaft für bestimmte Unterlagen zu interessieren, und das biologische Alter hatte ebenfalls sichtbare Spuren hinterlassen. 1975 verließ Birgit Nilsson ihre Wahlheimat Amerika, in der sie unzählige Triumphe gefeiert hatte, um ihre Laufbahn im alten Europa ausklingen zu lassen.
Als sie Ende der 70er Jahre überraschend zurückkehrte, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Selbst eine Übernachtung in den Tunneln des Lincoln Center nahmen Opernfreunde in Kauf, um die legendäre „Elektra“ wenigstens einmal live sehen zu können.
In der aristokratischen Kostümwelt von Rudolf Heinrich brachte Herbert Graf ein bedrückendes Kammerspiel auf die Bühne, in dem die Nilsson noch einmal zum Ereignis wurde. Mit ihrer beispiellosen Stimmkultur nahm sie nicht mehr alle Höhenzüge der exorbitanten Partie, gestaltete aber gleichwohl ein fesselndes Charakterporträt voll extremster Stimmungsschwankungen, die bisweilen auch die Tontechnik überforderten.
Da Elektras Rachezug ohne die Gegenwehr ihrer Schwester Chrysothemis der entscheidende Wegweiser fehlt, erwies sich die Verpflichtung von Leonie Rysanek als besonderer Glücksfall. Selbstbewusst und unbeeindruckt zeigte die Sopranistin, die später ihrerseits als Elektra und Klytämnestra zu erleben war, im Windschatten eines furiosen Auftritts Profil und Standfestigkeit. Diese Tugenden warf auch das Metropolitan Opera Orchestra unter James Levine und der Rest des hochklassigen Ensembles in die Waagschale. Doch nur Mignon Dunn (Klytämnestra) gelang es für einige wenige Minuten, den beiden Diven die versammelte Aufmerksamkeit zu entziehen.
Die DVD enthält neben dem kompletten Elektra-Mitschnitt zwei kurze Interviews mit Birgit Nilsson, einen Ausschnitt aus Wagners „Tristan und Isolde“, ein schwedisches Volkslied und „a personal tribute“ der Jahrhundert-Sopranistin an ihren geschätzten Dirigenten James Levine.
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