| Benjamin Britten (1913-1976) hat maßgeblich dazu beigetragen, England aus einem jahrhundertelangen musikgeschichtlichen Schattendasein zu befreien. Darüber hinaus ist ihm etwas gelungen, wovon die meisten seiner Kollegen im 20. Jahrhundert kaum zu träumen wagten: die Komposition (wenigstens) einer Repertoireoper.
Doch Britten war nicht nur der Schöpfer des 1945 in London uraufgeführten "Peter Grimes", er war zugleich sein bislang bester Interpret. Die Wiederveröffentlichung der legendären Aufnahme von 1958 mit den exorbitanten Hauptdarstellern Peter Pears (Peter Grimes) und Claire Watson (Ellen) legt nicht die Vermutung nahe, dass sie - in welcher Besetztung auch immer - noch einmal übertroffen werden könnte. Das untrügliche Gespür des Dirigenten Britten für die feinsten rhythmischen und dynamischen Nuancen der eigenen Partitur verleiht nicht nur der düsteren Geschichte um den vermeintlichen Mörder Peter Grimes äußerste Plastizität, Dramatik und Hochspannung. Sie zeigt dahinter auch die beklemmende, weil vollkommen zeitlose Parabel von der Einsamkeit, Angst und Verzweiflung einer gescheiterten Existenz. Dieser "Peter Grimes" ist weit mehr als eine historische Aufnahme, denn er kann zugleich als Maßstab moderner Operninterpretation gelten.
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