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Musikkritik 19

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Der lustige Krieg

Dass Volker Klotz recht daran tat, sein mittlerweile legendäres Standardwerk "Operette. Porträt und Handbuch einer unerhörten Kunst" mit dem Satz zu eröffnen "Die Operette ist besser als ihr Ruf.", wird niemand mehr ernsthaft bestreiten wollen. Denn zweifellos hat das viel gescholtene und von Regisseuren, die den vermeintlich flachen Publikumsgeschmack entsprechend bedienen wollten, an den Rand des Exitus inszenierte Genre weit mehr zu bieten als eine belanglose Abendunterhaltung für zwischendurch. Trotzdem ist es bisher nicht gelungen, dass schmale Bühnenrepertoire von zehn bis fünfzehn Werken, die landauf landab bis zur Unkenntlichkeit des zeit- und gesellschaftskritischen Aussagewertes verstümmelt werden, wesentlich zu erweitern. Und wenn dann noch ein großes Label (EMI) zu Recht vergessene Werke wie Johann Strauss´ "Simplicius" auf den restlos überfüllten Plattenmarkt schleudert, scheint das Schicksal der Operette eigentlich besiegelt.

Doch was wäre Österreich, wenn es ein so abschließendes Statement auf sich sitzen lassen würde? Aus dem Nachbarland kommt denn auch einer der wenigen Gegenbeweise in Form einer brillanten Neueinspielung des einstigen Sensationserfolges "Der lustige Krieg" (1881). Die nicht immer logische, aber durchgängig satirisch-unterhaltsame Geschichte der lustigen, weil gänzlich unblutigen, mit Hochzeit und Friedensschluss endenden Querelen zwischen Massa und Genua regte nicht nur den Walzerkönig zu einer ausgefeilten Partitur von schier unerschöpflichem Melodienreichtum an. Sie motivierte ganz offenbar auch das Ensemble der Neueinspielung zu einer wirklich außergewöhnlichen Leistung. Alle Beteiligten sind erfolgreich bemüht, Operettenfreunde und -feinde davon zu überzeugen, dass "Der lustige Krieg" weit mehr zu bieten als die einzige heute noch bekannte Paradenummer "Nur für Natur". Und so soll denn auch niemand herausgehoben, sondern allen gleichermaßen für den hingebungsvollen Einsatz in den Nischen des Repertoires gedankt werden: den hervorragenden Dialogsprechern Ulrike Beimpold, Fritz Karl und Robert Hollmann, den Sängern der Hauptpartien Eva Mei (Violetta), Jorma Silvasti (Spinola), Jörg Schneider (Sebastiani), Paul Armin Edelmann (Balthasar) und Birgid Steinberger (Else) dem Wiener Jeunesse-Chor, dem Wiener Motettenchor und dem Radio Symphonieorchester Wien unter der kongenialen Leitung von Ulf Schirmer.
Ob sich genug mutige, innovationsfreudige Theaterleitungen finden lassen, die durch diese Aufnahme animiert werden, den "lustigen Krieg" einmal wieder auf den Spielplan zu setzen, darf zwar bezweifelt werden. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben ...

Johann Strauss: Der lustige Krieg, 2 CDs, ORF

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