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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Händels Orlando in Essen

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Aufbauprogramm für depressive Führungskräfte

Tilman Knabe inszeniert Händels „Orlando“ am aalto-Theater in Essen

Der große Motivator Zoroastro lässt nichts unversucht, um Orlando wieder zum funktionstüchtigen Mitglied der Gesellschaft zu machen. Doch das Aufbauprogramm für depressive Führungskräfte erweist sich als wenig hilfreich. Mit Geld und guten Worten ist bei Orlando kein Blumentopf zu gewinnen, und der aufwendige Imagefilm, der Zoroastros Schützling siegessicher zwischen Dienstwagen, Chefetage und Privatsekretärin platziert, hilft dem Anti-Helden auch nicht auf die Beine. In Tilman Knabes ebenso spitziger wie hintersinniger Inszenierung gibt es kein „lieto fine“ zum Ausheulen, Burgfrieden schließen und Weitermachen.

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Händels Orlando in Essen

Angelica nimmt lieber den erfolgsverwöhnten Medoro, für große Schlachten ist der entnervte Orlando nicht mehr zu gebrauchen, und die vermeintlich guten Freunde waren eh nie welche. So bleibt der Hoffnungsträger am Ende auf der Strecke – singt aber wundervolle Koloraturen. Neben der grandiosen Ann Hallenberg, die der Titelrolle durch edle Formung und sinnreiche Betonung der extremen Notenwerte sowie die intensive Art der Darstellung eindrucksvoll Profil verleiht, verschaffen sich auch die anderen vier Solisten deutlich Gehör.

Antonio Abete (Zoroastro) erliegt zwar der Versuchung, manche Gegensätze und Übergänge durch unscharfe Artikulation einzuebnen, erfährt aber ausreichende Kompensation durch die klar strukturierten Porträts, die Anke Herrmann (Angelica), Bea Robein (Medoro) und Christina Clark (Dorinda) ihren Rollen angedeihen lassen.
Bestnoten verdienen sich an diesem fesselnden Opernabend die Essener Philharmoniker unter der atemberaubenden Leitung von Alessandro De Marchi. Der Spezialist für Alte Musik illustriert mit präzisen Anweisungen, warum ein Barockorchester tatsächlich „genau wie eine Bigband“ funktionieren kann. Inmitten der historischen Aufführungspraxis mutieren die Continuo-Instrumente zur flexiblen „rhythmic section“, und De Marchi nimmt sich, zur Begeisterung des staunenden Publikum, alle rhythmischen Freiheiten, die er von Händel bekommen kann.

Karten: 0201 / 8122-200

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