Schon die Ankündigung einer eigenen Tannhäuser-Produktion bescherte dem sonstigen Schauplatz von Tourneetheatern jede Menge Aufsehen. Das Ergebnis monatelangen Bemühens ist eine mittelschwere Sensation. Unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Wagner hat sich in Minden ein hochkarätiges Ensemble versammelt, das kaum einen Vergleich zu scheuen braucht. Neben dem strahlenden Heldentenor von John Charles Pierce (Tannhäuser), der furiosen Mezzosopranistin Chariklia Mavropoulou (Venus) und dem volltönenden Bass Andreas Hörls (Landgraf) begeisterten sich die Zuschauer vor allem für den schillernden Klangteppich, den die Nordwestdeutsche Philharmonie unter Leitung von Frank Beermann entwarf.
Die Inszenierung des Bayreuth erfahrenen Keith Warner bestach durch Konsequenz und reizvolle Details, die von Bühnen- und Kostümbildner Jason Southgate auf engstem Raum illustriert wurden. Eindrucksvoll gelang Warner die (Selbst)Ausgrenzung Tannhäusers aus dem Kreis der spießbürgerlichen Sangesbrüder und Moralapostel oder die zwielichtige Rolle Wolframs (stimmgewaltig: Heiko Trinsinger), der sich über Gebühr für die verzweifelte Elisabeth (mitunter zu gepresst: Meryl Richardson) zu interessieren schien. Die solide Regiearbeit konnte in der eingeübten Geschichte vom scheiternden Revoluzzer allerdings keine wirklich überraschenden Perspektiven entdecken. Mindens „Tannhäuser“ wird den Zuschauern auf den vollbesetzten Rängen gleichwohl noch lange in bester Erinnerung bleiben. Auf den nächsten Clou des kleinen Hauses und/oder des rührigen Richard Wagner Verbandes darf man gespannt sein!
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