| Die fanatischen Anhänger der Strauss-Dynastie wollen es kaum wahr haben, aber es gab im 19. Jahrhundert tatsächlich auch noch andere Familien, die sich mit Talent und Erfolg in den Gefilden der leichten Muse tummelten. Zwar hatten die Fahrbachs und Komzáks im Langzeit-Popularitäts-Vergleich nicht den Hauch einer Chance gegen die Sträuße, aber hin und wieder tauchen sie doch noch auf Konzertprogrammen und Tonträgern auf. Das auf Raritäten spezialisierte Label Marco Polo hat Karel Komzák II. (1850-1905) jetzt eine ganze CD gewidmet.
Und siehe da, der einst hochgelobte Komponist der einst oft gespielten Operette "Edelweiss" braucht sich hinter berühmteren Kollegen keineswegs zu verstecken. Zwar fehlt ihm zumeist der geniale, mit unerwarteten Wendungen spielende Überschwang eines Johann oder Joseph Strauss, aber dennoch überzeugen seine Walzer, Polkas und Märsche durch melodischen und harmonischen Ideenreichtum. So populär wie der "Donau-Walzer", die "Dorfschwalben aus Österreich" oder der "Radetzky-Marsch werden Komzáks Werke sicher nie werden. Doch vielleicht kann die rundum gelungene, einen Hauch von K.u.K.-Nostalgie versprühende Einspielung des Razumovsky Symphony Orchestra unter der Leitung und Christian Pollack dazu beitragen, dass der ursprünglich aus Südböhmen stammenden Musikerfamilie ein wenig mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Wer noch zögert, dieses tanzmusikalische Neuland zu betreten, sollte sich durch unseren Anspieltipp, den Walzer "Maienzauber", überzeugen lassen.
Karl Komzák sen.: Walzer, Märsche und Polkas, Marco Polo
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