| Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion
Dialog der Jahrhunderte – Franz Schuberts Oper „Der Graf von Gleichen“ in der Fassung von Richard DünserMit seinen Opern und Singspielen hatte Franz Schubert zu Lebzeiten kein Glück, und auch die Nachwelt konnte mit diesen Werken wenig anfangen, was durchaus damit zusammenhängen mag, dass das frühverstorbene Genie auch ohne die rund 15 Bühnenstücke einen überreichen Vorrat an weltberühmten Kompositionen hinterlassen hat. Musikalischen Kleinodien wie „Die Verschworenen“ und „Der vierjährige Posten“, die in den 70er Jahren vom Bayerischen Rundfunk produziert wurden, oder der Oper „Fierrabras“, die 1988 eine umjubelte Wiederauferstehung im Rahmen der Wiener Festwochen feierte, ging es dabei aber immer noch besser als dem „Graf von Gleichen“, der in den Archiven der Landes- und Stadtbibliothek Wien für immer zu verschwinden drohte und bislang nur in einer fragmentarischen Aufnahme vorlag.
Erst Mitte der 90er Jahre, aus Anlass des 200. Geburtstages seines Komponisten, erinnerte sich die „Styriarte“ in Graz an das unvollendete Bühnenwerk und beauftragte den Komponisten Richard Dünser mit der Fertigstellung. Der 1959 geborene Dünser, der in seiner Jugend wesentliche Impulse durch Begegnungen mit Hans Werner Henze oder Leonard Bernstein empfing, lehrt seit 1991 Musiktheorie an der Universität in Graz und sorgt mit einer Vielzahl eigener Werke seit geraumer Zeit auch international für Aufsehen. Dünser hatte 1987 bereits Franz Schuberts Fantasie f-moll für Klavier zu vier Händen orchestriert und war nach eigenem Bekunden nur bedingt versucht, aus den skizzenhaften Absichtserklärungen ein eventuelles Klangbild zu rekonstruieren. Er zielte von Anfang an auf einen Schubert, „der durch Kompositions-, Klang- und Hörerfahrungen des 20. Jahrhunderts hindurchtönt.“
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