| Im Gegensatz zu seinen weltberühmten Symphonien und Streichquartetten oder den großen Oratorien "Die Schöpfung und "Die Jahreszeiten" blieb den Opern Joseph Haydns die Anerkennung auf den nationalen und internationalen Bühnen versagt. Bis heute konnten zahllose szenische und diskographische Bemühungen diese Entwicklung nicht umkehren. Jetzt schickt Teldec die "Super-Stars" Cecilia Bartoli, Christoph Prégardien und Nikolaus Harnoncourt mit der 1784 uraufgeführten "Armida" ins erneute Rennen um die Publikumsgunst. Das Ergebis ist verblüfffend. Haydns erste Opera seria, die zugleich das letzte Bühnenwerk für seinen langjährigen Dienstherren, den Fürsten Esterházy, war, besticht durch ihre packende, äußerst abwechslungs- und farbenreiche Musik ebenso wie durch das in der Textausführung zwar schwache, im Handlungsverlauf aber durchaus interessante Libretto.
Die potentielle Aktualität eines Liebespaares, das aus unterschiedlichen Kulturen und verschiedenen religiösen Traditionen stammt und zwischen den politischen Fronten aufgerieben wird, braucht kaum im Detail erläutert zu werden ... Aber auch und gerade die Partitur bietet den sechs Solisten unzählige Möglichkeiten, ihre künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Auf der vorliegenden Einspielung werden diese vor allem von Patricia Petibon (Zelmira) ausgeschöpft. Ihr kristallklarer Sopran agiert völlig gleichberechtigt neben der ausdrucksstarken Bartoli und dem glänzend disponierten Prégardien. Nikolaus Harnoncourt dirigiert das Ensemble und den Concentus Wien mit der gewohnten wuchtigen Dynamik. Dass er dabei gelegentlich übersteuert und den Klangraum seiner Solisten okkupiert, beeinträchtigt den im Juni 2000 aufgenommenen Live-Mitschnitt aus dem Wiener Musikverein nur unwesentlich. Vielleicht trägt gerade das rückhaltlose Engagement aller Beteiligten dazu bei, "Armida" aus ihrem Schattendasein zu befreien.
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