| Die Idee, "Tristan und Isolde" als reines Seelendrama zu deuten, stammt nicht von Dieter Dorn, aber er hat sie an der Metropolitan Opera 1999 mit selten gesehener Konsequenz und Überzeugungskraft umgesetzt. Dorn verzichtet auf ornamentales Beiwerk, aufgesetzte Gesten und mimische Verrenkungen und vertraut stattdessen der Bühnenpräsenz seiner Darsteller und einer ausgeklügelten Lichtregie, die den symbolischen Verästelungen des monumentalen Werkes genauestens entspricht. Auf diese Weise entwickelt sich ein nervenaufreibendes Kammerspiel, das in eindrucksvollen Szenen von der Anarchie der Liebe erzählt.
Ben Heppner (Tristan) und Jane Eaglen (Isolde) prägen diese Inszenierung durch vokale Strahlkraft, eine perfekt ausbalancierte Stimmkultur und ihren außergewöhnlichen darstellerischen Einsatz, der gerade an großen Häusern nicht unbedingt zum Pflichtprogramm gehört. Aber auch die weniger umfangreichen Rollen sind mit René Pape (König Marke), Hans-Joachim Ketelsen (Kurwenal) und einer wie entfesselt aufspielenden Katarina Dalayman (Brangäne) exzellent besetzt.
Außerdem erweist sich Dirigent James Levine einmal mehr als idealer, weil einfühlsamer und flexibler Vermittler zwischen Bühne und Orchestergraben. Die fiebrigen, mal meditativen, mal exaltierten Klänge, die er dem Metropolitan Opera Orchestra entlockt, behaupten ihren einsamen Rang mit und neben dem fantastischen Ensemble. Die New Yorker Produktion steht den zahlreichen legendären Inszenierungen auf dem europäischen Kontinent also in nichts nach und kann nun – in optimaler Bild- und Tonqualität – auch am heimischen Bildschirm bewundert werden.
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