| Wer glaubt, Kammermusik eigne sich vorwiegend für ältere Jahrgänge, wurde in Osnabrück eines Besseren belehrt. Fünf junge Streichquartett-Formationen musizierten bei den 9. Kammermusiktagen (29. März-10. April) mit international bekannten Klassik-Größen und begeisterten auch das jugendliche Publikum mit Leidenschaft und Engagement.
Eine Woche vor dem großen Auftritt wurde noch fleißig geprobt. Der Klarinettist Martin Spangenberg, seines Zeichens Professor an der Franz Liszt-Hochschule in Weimar, traf sich morgens um 9.00 Uhr mit vier Berliner Studenten, um Paul Hindemiths selten gespieltes Klavierquintett op.30 einzustudieren. „Das ist ein extrem schwieriges Stück aus Hindemiths wildester Phase. Wenn man das nicht richtig verstanden hat, klingt es nach gar nichts“, erklärte er drei Stunden später im Festivalbüro, das sich zur Mittagszeit mit Geigen- und Cellokästen, hungrigen Musikern, neugierigen Journalisten und allerlei Sonderwünschen füllte.
Im neunten Jahr ihres Bestehens haben sich die Osnabrücker Kammermusiktage einer Frischzellenkur unterzogen. Mit Hubert Buchberger wurde ein neuer künstlerischer Leiter gefunden, und in der Stadt hingen farbenfrohe Plakate, die zu „classic con brio“ einluden. Viele Proben waren öffentlich, und im Mittelpunkt standen fünf Streichquartette, die alle Voraussetzungen zu einer großen Karriere mitbrachten und hier die Chance hatten, mit renommierten Musikern wie dem Pianisten Alfredo Perl, der Violinistin Priya Mitchell oder dem Bratscher Hariolf Schlichting aufzutreten.
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