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Thorsten Stegemann im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg über Julia Jentsch


Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Julia Jentsch

Jentsch stand bereits auf der Bühne, als sie noch mit dem Abitur beschäftigt war, und auch die Schülerin der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ lernte vor allem in der Praxis. Die Liste ihrer Theaterauftritte liest sich folgerichtig wie ein Parforceritt durch die europäische Literaturgeschichte. Sie war als Gretchen in Goethes „Urfaust“ zu sehen, sie spielte in Georg Büchners „Dantons Tod“, Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“ und Shakespeares „Otello“, aber auch in Aischylos´ „Orestie“, Hebbels „Nibelungen“, der „Elektra“ des Sophokles oder Shelagh Delaneys „Der bittere Honig“.

Jentsch arbeitete dabei mit Regiegrößen wie Thomas Ostermaier, Andreas Kriegenburg, Luc Perceval und Peter Zadek zusammen und tastete sich langsam an das Film- und Fernsehgeschäft heran. Nach ihrem Debüt in „Zornige Küsse“ (1999) war sie vereinzelt in TV- und Kinoproduktionen zu sehen, einem größeren Publikum wurde sie jedoch erst durch die rebellische Teenagerkomödie „Die fetten Jahre sind vorbei“ (2004) bekannt, die allein in Deutschland 900.000 Kinobesucher sehen wollten. Oliver Hirschbiegel engagierte sie für "Der Untergang" (2004), Hans-Werner Geißendörfer für sein Drama "Schneeland" und Marc Rothemund verhalf ihr mit der Hauptrolle in "Sophie Scholl - Die letzten Tage" (beide 2005) zu einem phänomenalen Auftritt und ihrem bis dato größten Erfolg.

Thorsten Stegemann im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg über Julia Jentsch

© Foto: Warner

Für die Darstellung der 1943 hingerichteten Widerstandskämpferin wurde Jentsch mit Preisen überhäuft. Das "Lexikon des internationalen Films" wertete die Arbeit als „erschütterndes Zeitdokument“, dessen eindringliche Wirkung vor allem dem "großartigen Spiel der Darsteller" zu verdanken sei. Tatsächlich setzte sich Julia Jentsch auch diesmal intensiv mit ihrer Aufgabe auseinander und gewann so ein ganz eigenes Bild der historischen Person: „Sie (Sophie Scholl) hatte großes Interesse an anderen Menschen. Und ein enormes Mitgefühl. Hinzu kommt ein großer Wissensdurst – immer wieder liest man in ihren Briefen: ´Schick’ mir neue Bücher, ich bin am Verhungern!´ Außerdem war sie ein lebensfroher Mensch. Auf Fotos sieht man, wie sie mit ihren Freunden zum Wandern und Schwimmen gegangen ist, wie sie Feste gefeiert und Wein getrunken hat. Sie war ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen.“
Ihre enorme Wandlungsfähigkeit stellte Julia Jentsch zwei Jahre später unter Beweis, als sie in der tschechischen Komödie „Ich habe den englischen König bedient“ eine fanatische Hitler-Verehrerin mimte und dabei kaum weniger überzeugte als zuvor in der Rolle der Sophie Scholl.

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