| Nüchtern betrachtet hatten sie wenig Bemerkenswertes, diese etwas schusseligen, mitunter spießigen und verkniffenen, aber immer verzweifelt liebenswürdigen Typen, die Heinz Erhardt auf Bühne und Leinwand verkörperte. Es waren Durchschnittsbürger, ohne Allüren und Ambitionen, die für keinen Nobelpreis in Frage kamen und niemandem etwas Böses taten. Doch der deutschen Wirtschaftswunder-Gesellschaft schien ihr vermeintliches Spiegelbild zu gefallen, auch wenn es manchmal von leiser Ironie getrübt war. Heinz Erhardt wurde einer der populärsten Stars der jungen Bundesrepublik, und noch heute, 25 Jahre nach seinem Tod, scheint sein Kultstatus ungebrochen. Erhardts Humor hat die Zeiten zwar nicht verändert, aber ganz offenbar überdauert.
Als Heinz Erhardt am 20. Februar 1909 in Riga geboren wurde, zeigte die Ehe der Eltern bereits unverkennbare Auflösungserscheinungen. Der Vater ging bald darauf nach Deutschland, um sein Geld als Kapellmeister zu verdienen, die Mutter zog es nach St. Petersburg, wohin ihr der Junge, der zunächst bei den Großeltern in Riga aufwuchs, 1915 folgte. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges holte ihn der Vater nach Deutschland, ein dauerhaftes Zuhause konnte er ihm aufgrund der zahlreichen Tourneeverpflichtungen aber ebenfalls nicht bieten. Als Heinz Erhardt 1924 wieder bei den Großeltern eintraf, hatte er sage und schreibe 15 Schulwechsel hinter sich.
Trotz oder wegen dieser langen Vorbereitungszeit gelang ihm kein erfolgreicher Abschluss. Erhardt wurde deshalb nach Leipzig geschickt, um bei einem Musikalienhändler in die Lehre gehen und anschließend das Geschäft des Großvaters übernehmen zu können. Dass er am Konservatorium nebenbei Klavier und Komposition studierte und an "Bunten Abenden" sein komödiantisches Talent unter Beweis stellte, schürte allerdings den Widerwillen gegen den verordneten Brotberuf, dem noch in der sehr viel später geschriebenen (und übrigens unvollendeten) Autobiografie "Ich war eine frühentwickelte Spätausgabe" unfreundliche Worte gewidmet werden:
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