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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Cornelia Froboess


Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion


"Cornelia Froboess"

Wer Cornelia Froboess heute auf den großen Bühnen bewundert, wo sie in Dramen von Brecht, Hauptmann oder Strindberg auftritt, kann sich kaum vorstellen, dass ihre Karriere einst mit Versen begann, für die das Prädikat „Weltliteratur“ möglicherweise ungeeignet wäre:
"Pack’ die Badehose ein,
nimm’ dein kleines Schwesterlein
und dann nischt wie raus nach Wannsee.
Ja, wir radeln wie der Wind,
durch den Grunewald geschwind
und dann sind wir bald am Wannsee."

Als die am 28. Oktober 1943 in Wriezen an der Oder geborene Cornelia das von ihrem Vater Gerhard Froboess komponierte Liedchen im Berliner Titanis-Palast zum Besten gab, war sie zwar erst sieben Jahre alt. Aber offenbar schon selbstbewusst genug, um den Herrn Papa, der das Stück eigentlich für die Schöneberger Sängerknaben geschrieben hatte, über die schnöde Ablehnung seiner Wannsee-Hymne hinwegzutrösten. Ob das exakt mit den vielzitierten Worten „Dicker, lass mich det mal singen!“ geschah, sei einmal dahingestellt. Fest steht, dass sie 1950 in der von Hans Rosenthal moderierten RIAS-Produktion „Mach mit!“ tatsächlich vor dem Mikrophon stand und buchstäblich über Nacht zum ersten Kinderstar des zerstörten Nachkriegsdeutschland wurde. Es war noch nicht allzu lange her, dass Cornelia mit ihren Eltern aus der in Schutt und Asche liegenden Hauptstadt des 1000jährigen Reiches fliehen musste – doch jetzt schienen endlich bessere Zeiten anzubrechen. Denn kaum war die Badehose eingepackt, da komponierte Gerhard Froboess mit „Hei hei hei, so eine Schneeballschlacht“ schon den nächsten Hit für das talentierte Töchterlein. Auf Tourneen durch ganz Deutschland trat sie mit Showgrößen wie Bully Buhlan und René Carol auf, eroberte aber auch die Kinoleinwand, auf der sie in Genreperlen wie „Lieber Gott, lass die Sonne wieder scheinen" (1953) zu sehen war.

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