| Sie besaß alle Voraussetzungen, die große Dichter notwendig brauchen, um sich ihr begehrtes Adjektiv erschreiben zu können: Weitreichende Ideen und den Blick für das entscheidende Detail, eine angenehm fließende, metaphernreiche und doch stets unmissverständliche Sprache sowie ein gleichermaßen untrügliches Gespür für das Lokalkolorit ihrer Heimatstadt und die zentralen Fragen der Zeit.
Doch der Literatur konnte Ilse Frapan immer nur einen Teil ihrer überschäumenden, aber eben nicht end- und grenzenlosen Energie widmen. Den großen Rest brauchte sie für den ermüdenden Kampf um den Lebensunterhalt, das mutige Aufbegehren für die Rechte von Frauen, Kindern, Schwachen und Hilfsbedürftigen oder die vielleicht schwerste Auseinandersetzung um gesellschaftliche, künstlerische und persönliche Anerkennung.
Ilse Frapan, die unter dem Namen Elise Therese Levien als Tochter des Instrumentenmachers Carl Heinrich Eduard Levien und seiner Frau Maria Therese Antoinette am 3. Februar 1849 in Hamburg geboren wurde, hatte bereits zehn Jahre als Lehrerin gearbeitet, bevor sie sich 1879 entschloss, ihr Glück als freie Schriftstellerin zu versuchen. Sie bekam viel Lob aus berufenem Munde, imponierte Theodor Storm und Wilhelm Raabe, doch erst Paul Heyse erklärte sich bereit, der jungen Kollegin auch praktisch zu helfen und veröffentlichte ihre Novelle „Die Last“ 1886 im „Deutschen Novellenschatz“. Durch Heyse bekam sie Kontakt zu Julius Rodenberg, dem Herausgeber der „Deutschen Rundschau“, der sie wiederum mit den Gebrüdern Paetel in Berlin bekannt machte, in deren Verlagsprogramm neben dem berühmten Theodor Storm bald auch Ilse Frapan auftauchte.
Doch von einem Durchbruch war die Schriftstellerin noch weit entfernt. Gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin, der Porträtmalerin Emma Mandelbaum, siedelte sie 1892 nach Zürich über, wo sie als Frau bereits ohne größere Hindernisse studieren konnte. Frapan wollte hier Botanik und Zoologie hören, sich möglichst rasch promovieren und anschließend eine bürgerliche Anstellung in Hamburg suchen.
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