| Die überwiegende Mehrheit seiner Zeitgenossen hätte ganz sicher nicht darauf gewettet, dass der 150. Geburtstag des Antonio Gaudí einst zum nationalen Großereignis werden würde. Sondern sich stattdessen lieber dem Urteil böswilliger Kritiker angeschlossen, die seine Bauwerke als „steinerne Missgeburten“ oder „obszöne Knubbel“ verspotteten. Heute hat sich an dieser Bewertung entscheidendes geändert. Um Gaudís skurrile Kirchen, Paläste und Wohnhäuser zu bewundern, pilgern Jahr für Jahr rund zwei Millionen Besucher nach Barcelona. Und der “Park Güell“, „Casa Batlo“, „Casa Mila“ oder die „Sagrada Familia“ gelten mittlerweile als Meilensteine der Architekturgeschichte.
Antonio Gaudí wurde 1852 in Reus bei Tarragona geboren. Das handwerkliche Talent des Vaters, der sein Geld als Kupferschmied verdiente, verband sich bei ihm sehr früh mit einer überbordenden Phantasie, die nur sehr bedingt in die Vorstellungen des späten 19. Jahrhunderts passte. Folgerichtig bekam Gaudí, der zunächst ebenfalls eine Lehre als Schmied absolviert hatte, während seines Studiums in Barcelona die ersten ernsthaften Schwierigkeiten. Denn seine Ideen von einer naturnahen Architektur, deren eigenwillige Farb- und Formenspiele nur mittelbar praktikablen Zwecken dienten, stießen bei den vorzugsweise in klassischen Kategorien denkenden Professoren auf wenig Gegenliebe. Sie entließen Gaudí 1878 folgerichtig mit der Abschlussnote „bestanden“, und das auch nur, weil keine schlechtere mehr zu vergeben war.
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