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“Wer nicht liest, ist doof!“ Elke Heidenreich wird 60„Ingelein, sarich neulich so zu unser Inge, ihr lerntatt doch alle heutzutage inne Schule, diesen Karl Marx da, watt is an den eintlich so besonders oder so gefährlich, dattse da immer son Bahei drummachen, erklär datt deine Mamma ma. Der hattoch de Sowjettunion erfunden, oder nich?“
Im Grunde ist alles ganz einfach, aber manchmal eben doch wieder furchtbar kompliziert. Dass die Radiohörer und Fernsehzuschauer der 80er Jahre an dieser frustrierenden Basiserfahrung des menschlichen Daseins nicht restlos verzweifelt sind, verdanken sie zu einem vielleicht nicht ganz unerheblichen Teil der guten Else Stratmann, die mit nie erlahmendem Engagement, unbeirrt und unbeirrbar daranging, von Wanne-Eickel aus die Welt zu erklären. Wenn die resolute Metzgergattin in den Wettkampfpausen der Olympischen Spiele die Lage der Dinge auf den Punkt brachte, gerieten sportliche Aspekte regelmäßig in den Hintergrund. Und wie viele „Pssst!“ in Autos, Wohnräumen und Betrieben verteilt wurden, um kein „sarich“ von Elses Rundfunkbotschaften zu verpassen, kann nicht einmal annähernd vermutet werden.
Für Elke Heidenreich hatte der ungeahnte Erfolg ihrer Kultfigur allerdings von jeher zwei Seiten. Denn die am 15. Februar 1943 in Korbach geborene Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Journalistin wurde nicht durch, sondern als Else Stratmann bekannt. Für viele Kolleginnen und Kollegen wäre damit ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen, aber bei ihr entwickelte sich der Dauerbrenner immer mehr zur Gefahr für andere Talente, die schließlich auch noch zur Entfaltung gebracht werden wollten. So entschloss sich Elke Heidenreich im verhältnismäßig fortgeschrittenen Alter, den sicheren Weg des immer wieder kopierten Erfolgsmodells zu verlassen und noch einmal zu neuen Ufern aufzubrechen.
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