| Im Nicolai Verlag ist Königin Luise nun eine Würdigung zuteil geworden, die ihresgleichen sucht. Aber ganz sicher nicht so schnell findet, denn der mit großem Aufwand und viel Liebe zum Detail gestaltete Bildband, den ein Vorwort von Günter de Bruyn ziert, besticht nicht nur durch die hochwertigen Abbildungen berühmter Porträts, Bilder oder Skulpturen, sondern auch durch die gründlichen und präzisen Erläuterungstexte von Johannes Theile. Die immer wieder geäußerte Vermutung, die Nachwelt könne sich von Königin Luise kein optisches Bild machen, weil ihre Darstellung zu sehr variiert, wird auf den gut 200 Seiten eindrucksvoll bestätigt. Ohne übertriebene Schönfärberei entwerfen Wort und Bild eine preußische Biografie, die mit den einschlägig bekannten, aber oft negativen gewendeten „Tugenden“ erfreulich wenig gemein hat.
Dass ihre Bemühungen um ein friedliches Zusammenleben in Europa nicht immer Erfolg hatten, ist bekannt. Trotzdem dürfte es Leserinnen und Lesern des 21. Jahrhunderts ebenso schwer fallen, sich dem Charisma dieser außergewöhnlichen Frau zu entziehen, wie Kaiser Napoleon, der noch auf St. Helena von unruhigen Erinnerungen verfolgt wurde: "Das war eine Frau voll Geist und Verstand. Eines Tages quälte, flehte, beschwor sie mich, wenigstens Magdeburg herauszugeben. Die Situation war für mich äußerst peinlich geworden, und ich weiß nicht, ob ich die Kraft gehabt hätte, den schmeichlerischen Bitten der schönen Frau, die mit brennenden Wangen und glühenden Augen flehend vor mir stand, zu widerstehen. Da trat zu meinem Glück der König Friedrich Wilhelm ins Zimmer. Der Königin war dies gar nicht recht, sie wurde verstimmt. Der König versuchte es in der Tat, sich in seiner linkischen Art in die Unterhaltung zu drängen – er verdarb seiner Gemahlin alles, und ich war gerettet."
Geliebte Luise. Königin von Preußen – Ihr Leben in Bildern, Nicolai Verlag, 49,90 €
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