| "Ich bin nicht zur Königin geboren, das glaube mir", bat Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz ihren Bruder Georg, doch diese Selbsteinschätzung war offensichtlich falsch. Denn keine deutsche Fürstin wurde so gefeiert und verehrt wie eben diese Luise, welche nicht nur die Gattin des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., sondern auch die Mutter des ersten deutschen Kaisers war. Doch das Bestreben der im Alter von nur 34 Jahren gestorbenen Königin ging über die Erfüllung eines familiären Pflichtprogramms weit hinaus.
Welchen genauen Anteil sie an den preußischen Reformen hatte, lässt sich zwar nicht mehr feststellen, dass sie immer wieder zwischen dem konservativen Ehemann und den innovationsfreudigen Reformkräften vermittelte, gilt dagegen als sicher. Ihr Interesse für Kunst und Kultur trug nach Einschätzung des Schriftstellers Günter de Bruyn außerdem dazu bei, „die Verbundenheit zwischen dem preußischen Geist und dem von Weimar“ zu verstärken. Beobachter, Freunde und Dichter wie Kleist, Jean Paul oder Novalis rühmten überdies die legendäre Anmut und Schönheit, die sich mit Geist, Witz und Herzenswärme vereinte, und die gekrönten Häupter Europas ebenso in Entzückung versetzte wie das ungeadelte Normalvolk.
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