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Kam aller Glanz von ihm? Marianne von Willemer und Goethe Johann Wolfgang Goethe schickte ihr das erste Exemplar des „West-Östlichen Divans“, doch nur er selbst und die mit Weltliteratur Beschenkte wussten warum. Das Gros der Mit- und Nachwelt erfuhr erst ein halbes Jahrhundert später, dass nicht alle Verse der ambitionierten Kulturversöhnung zwischen Orient und Okzident aus der Feder des deutschen Dichterfürsten geflossen waren. Einige der schönsten Divan-Gedichte, darunter solche, die Franz Schubert oder Felix Mendelssohn-Bartholdy zu berühmten „Goethe-Vertonungen“ inspirierten, schrieb Marianne von Willemer.
Die Tänzerin und Schauspielerin, die 1784 unehelich geboren wurde, kam mit 16 Jahren in das Haus des reichen Frankfurter Bankiers Johann Jakob von Willemer, der sie ihrer Mutter gegen Zahlung von 2.000 Gulden und die Aussetzung einer offenbar angemessenen Rente regelrecht abgekauft hatte. 1814 heirateten die beiden – möglicherweise auf Anraten des alten Willemer-Freundes Johann Wolfgang Goethe, der das skandalumwitterte Paar 1814 zum ersten Mal besuchte. Ein Jahr später war der Dichter wieder vor Ort und verliebte sich seinerseits in die geistreiche, vielseitig gebildete und interessierte Bankiersgattin. Goethe hatte mehr Glück als Clemens Brentano, der sich einst ebenfalls Hoffnungen auf Marianne von Willemer gemacht hatte. Seine Leidenschaft stieß nicht nur auf bedingungslose Gegenliebe, sondern auch auf eine einzigartige ästhetische Erwiderung. Marianne von Willemer beantwortete Goethes Gedichte und Briefe mit eigenen Gedichten, eigenen Kompositionen, eigenen Briefen. Obwohl sich die Liebenden nie wiedersahen, hielt das „Duodrama“, das der 35 Jahre ältere Dichter ursprünglich unter dem Aspekt einer „temporären Verjüngung“ betrachtet hatte, bis zu seinem Tode an, auch wenn es Goethe mitunter nur dazu diente, Silberleuchter, Artischocken oder Mostsenf von Frankfurt nach Weimar liefern zu lassen.
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