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Stegemann Buchkritik 50

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion


"Wie einst Lili Marleen" - Das Leben der Lale Andersen"

Ein einziges Lied prägte nicht nur den Großteil ihres künstlerischen Lebens, sondern auch das Erinnerungsvermögen der Nachwelt. Als "Lili Marleen" 1941 erstmals im deutschen Soldatensender Radio Belgrad erklingt, wird die 1905 in Lethe geborene Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg zum internationalen Star, der sich von seinem größten Erfolg nie mehr erholen kann. Dabei hatte sich die Frau, die 1929 ihren Mann und ihre drei Kinder verließ, um in der Weltmetropole Berlin eine der vielen beispiellosen Karrieren zu starten, Anderes und möglicherweise Erfreulicheres vorgestellt.

Gisela Lehrkes opulenter Bildband lässt der Person und Künstlerin Lale Andersen wohl erstmals die verdiente Gerechtigkeit widerfahren, indem nicht nur der steinige Weg einer durch wenig gesellschaftliche Hilfestellungen beförderten Karriere nachgezeichnet und darüber hinaus noch mit Vorurteilen und Legenden aufgeräumt wird, die eine Laufbahn als Schlagersängerin im Dritten Reich und dann auch noch im trüben Nachkriegsdeutschland eben so mit sich bringt.
Gleichwohl stört die visuelle Aufbereitung, die allzu offensiv an die traditionelle Präsentation beliebter Unterhaltungs-Ikonen anknüpft, ein wenig den Gesamteindruck. Dem an sich verdienstvollen Projekt zum 30. Todestag der Lale Andersen wäre sicher mehr gedient gewesen, wenn sich die Leiterin des Kulturamtes von Bremerhaven, die als solche den "Lale-Andersen-Nachlass" verwaltet, mehr auf ihre außer Frage stehende Sachkenntnis und sprachliche Gewandtheit verlassen hätte, anstatt mit Hilfe einer stellenweise nichtssagenden Bilderflut die vermeintlichen Wünsche potenzieller BuchkäuferInnen zu erfüllen. Trotzdem war diese (oder eine ähnliche) Publikation ohne jeden Zweifel längst überfällig!

"Wie einst Lili Marleen" - Das Leben der Lale Andersen, Henschel-Verlag, 29,90 €

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